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Junger Spieler mit nummeriertem Leibchen dribbelt beim Sichtungstraining im Jugendfußball mit Ball am Fuß durch Hütchengassen auf einem Rasenplatz.
Trainer-Praxis

Sichtungstraining im Jugendfußball: Worauf du wirklich achten solltest

Sichtungstraining Jugend planen: 90-Minuten-Ablauf mit vier Stationen, Bewertungsbogen für zwei Beobachter, Eltern-Mail und Checkliste zum Download.

Aktualisiert am 19 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

  • Eine Sichtung dauert 90 Minuten und reicht nur, wenn das Stationsdesign verlässlich Sichtbares provoziert statt Charakter zu beurteilen.
  • Drei Stationen à 15 Minuten (Technik unter Druck, 1-gegen-1 mit Entscheidung, 4-gegen-4 plus Joker), dazu als vierte ein 20-minütiges Belastungs-Abschlussspiel.
  • Reifegrad schlägt Kalenderalter: der frühreife Spieler wirkt am Sichtungstag stärker, ohne besser zu sein, also Reife mitdenken (Bio-Banding).
  • Zwei Beobachter notieren unabhängig auf einer 4-Punkte-Skala über vier bis fünf Dimensionen (technisch, taktisch, physisch, psychisch, sozial), am Ende werden die Bögen verglichen.
  • Eine einzelne Sichtung sagt Erfolg nur schwach vorher: plane Re-Sichtung und gestalte die Nicht-Auswahl so, dass Kinder dem Verein erhalten bleiben.

Eine Sichtung ist eines der schwierigsten Trainings, das du als Jugendtrainer leitest. In 90 Minuten siehst du 20 oder 30 Kinder, die meisten davon zum ersten Mal. Du stehst unter Eltern-Beobachtung und sollst eine Auswahl treffen, die eine ganze Saison hält. Und am Ende stehen Entscheidungen, die für ein Kind sehr real sind: dabei oder nicht.

In diesem Leitfaden planst du ein faires Sichtungstraining im Jugendfußball Schritt für Schritt. Du erkennst, was sich in 90 Minuten wirklich beurteilen lässt. Dazu gibt es vier erprobte Übungen, die genau diese Stärken sichtbar machen, und einen Bewertungsweg, der am Ende keine Diskussion mit den Eltern offenlässt. Am Schluss findest du eine Checkliste zum Mitnehmen. Den größeren Rahmen, was Talent überhaupt ist und wie es entsteht, behandelt unser Leitfaden zur Talententwicklung im Jugendfußball.

Ein Sichtungstraining ist eine einzelne Einheit, in der ein Verein Kinder beobachtet, um eine Auswahl zu treffen. In diesem Leitfaden trennen wir drei Begriffe: Die Sichtung wählt aus. Das Probetraining lässt ein Kind im laufenden Training mitmachen. Das Schnuppertraining wirbt um neue Mitglieder und bewertet nicht. Geschrieben ist der Leitfaden für die Person, die die Sichtung leitet; ein Kapitel gilt den Eltern eingeladener Kinder. Der eingeladene Jahrgang folgt dem Stichtag 1. Januar (DFB-Jugendordnung § 5).

Was ist ein Sichtungstraining, und warum ist es schwer?

Der Eindruck, den ein Kind in 90 Minuten hinterlässt, sagt wenig über das ganze Kind. Er ist eine Momentaufnahme unter sehr spezifischen Bedingungen: fremde Mitspieler, fremder Trainer, Beobachtungs-Druck, womöglich ein schlechter Tag in der Schule davor. Vier Fallen tauchen bei fast jedem Sichtungstraining auf:

  • Tagesform statt Können. Der Junge, der heute nichts trifft, traf letzte Woche im Vereinstraining drei Mal in fünf Minuten. Das siehst du nicht.
  • Lautester Spieler ist nicht bester Spieler. Wer ständig coacht, ruft und Raum einfordert, wirkt dominant. Das ist nicht dasselbe wie spielentscheidend.
  • Eigene Lieblings-Spielertypen. Wenn du selbst ein technischer Sechser warst, fällt dir der technische Sechser auf. Der unauffällige, aber raumdeckende Außenverteidiger fällt dir nicht auf.
  • Geburtsmonat und körperliche Reife. Ein Kind aus dem ersten Quartal des Jahrgangs ist gegenüber einem im Dezember geborenen fast ein Jahr älter, und das heißt in diesem Alter oft größer, schneller, kräftiger. Das wirkt wie Talent und ist eine der am besten belegten Auswahlverzerrungen im Jugendfußball. Gegenmaßnahme: Geburtsdatum auf dem Bewertungsbogen, U-Halbjahre im Trainerteam getrennt diskutieren.

Relative-Age-Effekt: Wer wird eher ausgewählt (illustrativ)

Schematische Darstellung der Tendenz über die vier Geburtsquartale eines Jahrgangs. Die Balken sind Beispielwerte, keine Messdaten.

ANTEIL AUSGEWÄHLTER SPIELER (BEISPIELWERTE)42%Q1Jan–Mär28%Q2Apr–Jun18%Q3Jul–Sep12%Q4Okt–DezBeispielwerte: früh Geborene sind überrepräsentiertGeburtsquartal

Gegenmaßnahme: Geburtsdatum auf den Bewertungsbogen, beide Halbjahre des Jahrgangs in der Trainerrunde getrennt diskutieren.

Illustrativ: Die Prozentwerte sind keine Zahlen aus einer Studie. Die Richtung (mehr früh geborene Spieler) belegen Augste & Lames (2011) für die drei höchsten deutschen U17-Ligen der Saison 2008/09, siehe Text.

In den drei höchsten deutschen U17-Ligen der Saison 2008/09 war bei einem typischen der 41 untersuchten Teams die Hälfte der Spieler bis zum 21. April geboren, also im ersten knappen Drittel des Jahres. Bei 53,7 % der Teams wich die Verteilung der Geburtstage deutlich von der des Jahrgangs ab (911 Spieler insgesamt), und Teams mit stärkerem Effekt standen in der Tabelle im Schnitt weiter oben (Augste & Lames 2011).

Diese Fallen kannst du nicht durch Konzentration vermeiden. Du kannst sie nur durch das Design des Sichtungstrainings entschärfen. Die 90 Minuten müssen reichen, denn mehr ist selten möglich. Also muss in dieser Zeit so viel Sichtbares passieren, dass die Verzerrung kleiner wird.

Ablauf eines Sichtungstrainings: die 90 Minuten im Überblick

Bevor es um die Inhalte geht, hier der zeitliche Ablauf auf einen Blick. Er passt in 90 Minuten, die in der Praxis fast immer das Maximum sind.

ZeitBlock
0 bis 10 MinAufwärmen, locker, ohne Bewertungsdruck
10 bis 27 MinStation 1: Technik unter Zeitdruck
27 bis 44 MinStation 2: 1-gegen-1 mit Entscheidung
44 bis 61 MinStation 3: 4-gegen-4 plus Joker
61 bis 81 MinStation 4: Abschlussspiel mit Rotation
81 bis 90 MinStille Pause, Trinken, Beobachter-Abgleich vorbereiten

Reifegrad statt Talent: der Fehler, den du aktiv korrigieren kannst

Von den vier Fallen ist eine nicht nur entschärfbar, sondern aktiv korrigierbar: der Reifegrad. Der Relative-Age-Effekt aus dem letzten Abschnitt ist nur die kalendarische Spitze. Entscheidend ist nicht der Geburtsmonat, sondern die biologische Reife, und die kann bei zwei gleich alten Kindern um mehrere Jahre auseinanderliegen, nach Angaben der DFB-Trainingsphilosophie um bis zu fünf.

Gleiches Alter, sehr unterschiedliche Reife

Beide Spieler sind kalendarisch gleich alt. Der Roh-Eindruck am Sichtungstag bevorzugt den Frühentwickler, das tatsächliche Können zeigt erst die reifekorrigierte Sicht.

Roh-Eindruck am SichtungstagReifekorrigiert
8461Spieler Abiolog. ~14;6, Frühentwickler5273Spieler Bbiolog. ~12;0, Spätentwickler

Beide kalendarisch 13;0 Jahre alt

Roh wirkt A klar stärker. Reifekorrigiert liegt B vorne: A profitiert vor allem von einem Reifevorsprung, nicht von mehr Können. Werte illustrativ.

Logik nach Bio-Banding (Cumming et al. 2017; Nöcker 2024), RAE-Beleg Augste & Lames (2011).

Bio-Banding ist im Nachwuchsfußball ein wachsender Ansatz: Spieler werden nicht nur nach Kalenderalter, sondern nach biologischem Reifestatus gruppiert und in Früh-, On-Time- und Spätentwickler unterschieden. Die DFB-Trainingsphilosophie empfiehlt für das Training eine Einteilung nach dem Entwicklungsstand der Spieler. Für eine Sichtung brauchst du keine apparative Reifebestimmung. Es reicht, die Reife grob einzuschätzen, Körperhöhe relativ zum Jahrgang, sichtbarer Wachstumsschub, und das auf dem Bogen zu vermerken. So stellt das Trainerteam den frühreifen 13-Jährigen nicht automatisch über den schmalen Spätentwickler.

Bio-Banding ist dabei kein Freifahrtschein. Für die Sichtung heißt das nicht „nach Reife trennen", sondern „Reife mitdenken". Wenn ein körperlich überlegener Spieler dominiert, frag dich: Siehst du Können, oder einen Reifevorsprung, der sich in den nächsten Jahren ausgleicht? Eine Sichtung misst außerdem nie nur das Können, sie misst auch, wo ein Kind aufwächst und welche Gelegenheiten es bisher hatte. Mehr dazu in unserem Leitfaden zur Talententwicklung im Jugendfußball.

Was du in einem Sichtungstraining überhaupt sehen kannst

Bevor du Stationen baust, musst du wissen, was diese Stationen zeigen können. Die meisten Sichtungstrainings scheitern nicht an der Bewertung, sondern an unrealistischen Erwartungen darüber, was sichtbar ist.

Was du in 90 Minuten erkennen kannst

Plane deine Stationen so, dass sie die linke Spalte provozieren, die rechte ignorierst du bewusst.

Verlässlich sichtbar

  • Erstkontakt mit dem Ball
  • Orientierung vor der Ballannahme
  • Entscheidungsgeschwindigkeit
  • Körpersprache nach einem Fehlpass
  • Coachability

Eingeschränkt sichtbar

  • Spielintelligenz (nur ab 4-gegen-4)
  • Mentalität unter Druck
  • Konstanz über mehrere Einheiten

Praktisch nicht sichtbar

  • Trainierbarkeit über 12 Monate
  • Charakter, Kabinen-Verhalten
  • Entwicklungspotenzial bis U17

Eigene Einordnung; Spieltest-Logik nach Roth & Memmert (2002).

Verlässlich sichtbar in 90 Minuten

  • Erstkontakt mit dem Ball. Wie gut nimmt das Kind einen mittelhohen Pass an? Mit welchem Fuß? Bleibt der Ball spielbar?
  • Orientierung vor der Ballannahme. Schaut sich das Kind um, bevor der Ball ankommt? Oder sieht es ihn erst, wenn er am Fuß ist?
  • Entscheidungsgeschwindigkeit. Wie viele Berührungen braucht es zwischen Annahme und nächster Aktion? Eine? Zwei? Vier?
  • Körpersprache. Wie reagiert das Kind nach einem Fehlpass? Schiebt es nach, oder bleibt es stehen?
  • Coachability. Du gibst während einer Übung einen kurzen Hinweis. Setzt das Kind ihn beim nächsten Versuch um?

Eingeschränkt sichtbar

  • Spielintelligenz. Dafür brauchst du echte Spielsituationen, keine Stationsdrills. Erkennbar erst ab 4-gegen-4.
  • Mentalität unter Druck. Sichtung ist Druck, aber spezifischer Druck. Ein Kind kann unter Eltern-Beobachtung blockieren und im Pflichtspiel aufdrehen, oder umgekehrt.
  • Konstanz. Eine Einheit reicht definitionsgemäß nicht. Wer es einrichten kann, plant Sichtung als zwei oder drei Termine über vier bis sechs Wochen. In der Studie zur portugiesischen „Goldenen Generation“ (U-20-Weltmeister 1989 und 1991) wurden die Spieler über Jahre mehrfach gesichtet, nicht an einem Tag (Sarmento et al. 2026). Es ist ein einzelner Fall, aber die Autoren ziehen daraus den Schluss, Auswahlkriterien flexibel statt starr zu halten.

Praktisch nicht sichtbar

  • Trainierbarkeit über die nächsten 12 Monate.
  • Charakter, Teamfähigkeit, Verhalten in der Kabine.
  • Entwicklungspotenzial. Wer in U13 schon austrainiert wirkt, ist mit 16 vielleicht abgehängt. Wer in U13 ungelenk wirkt, dominiert mit 16 vielleicht den Jahrgang.

Eine Demut-Übung vorweg: Wie gut sagt das, was du am Sichtungstag misst, überhaupt voraus, wer in vier Jahren spielt? Wenig. Talent ist kein fester Wert, den man früh abliest. Kinder entwickeln sich in Sprüngen: Wer heute stark wirkt, muss es in vier Jahren nicht sein. Gerade isolierte körperliche und technische Messwerte wie Sprintzeit, Jonglieren oder Schussgeschwindigkeit wirken objektiv, hängen aber stark an der Reife und sagen wenig darüber, wer später spielt (Abbott 2006). Solche körperlichen Werte lassen sich ohnehin gezielt trainieren, etwa mit Sprungkraft-Training, statt sie als festes Talent zu lesen. Am meisten über die Zukunft sagt, wie ein Kind lernt und mit Fehlern umgeht. Messen kannst du das in 90 Minuten nicht, aber du kannst Situationen schaffen, in denen es sichtbar wird. Genau darauf zielen die folgenden Übungen.

Vier Stationen: Übungen für dein Sichtungstraining

Jede Station provoziert eine spezifische Beobachtungsdimension. Dass die Stationen 3 und 4 Kleinfeld-Spielformen sind, ist kein Zufall: Spielintelligenz und Kreativität zeigen sich in echten Spielsituationen, nicht in isolierten Drills.

Der 90-Minuten-Stationsplan

Das Diagramm zeigt den 81-minütigen Blockablauf; die restlichen 9 Minuten sind Abschluss und Beobachter-Abgleich. Proportional zur Zeit dargestellt.

10'Aufwärmenlocker15'Station 1Technik2'15'Station 21-gegen-12'15'Station 34-gegen-42'20'Station 4Abschlussspiel81 MINUTEN

Eigener Vorschlag, keine DFB-Vorgabe.

Station 1: Technik unter Zeitdruck

Station 1: Technik unter Zeitdruck

8x8-Meter-Quadrat, vier Spieler, zwei Bälle. Der Coach ruft von außen Anweisungen rein.

1234C8 x 8 m, 4 Spieler, 2 Bälle, Pass und Annahme im WechselCoach ruft Anweisungen rein

Ein 8x8-Meter-Quadrat, vier Spieler darin, zwei Bälle, Pass und Ballannahme im Wechsel. Nach drei Minuten kommt ein Coach an den Rand und ruft Anweisungen rein („nur rechter Fuß", „erst sehen, dann annehmen", „eine Berührung weniger"). Du beobachtest:

  • Wer löst sich von seiner Lieblingsseite?
  • Wer hört zu und justiert?
  • Wer macht weiter wie vorher?

Das ist Erstkontakt, Coachability und Aufmerksamkeit in einer Übung.

Station 2: 1-gegen-1 mit Entscheidung

Station 2: 1-gegen-1 mit Entscheidung

Angreifer mit Ball, Verteidiger, freier Mitspieler dahinter. Am Verteidiger vorbei oder abspielen?

AVMDribbeln oder abspielen?AngreiferVerteidigerfreier MitspielerTor

Angreifer und Verteidiger starten an gegenüberliegenden Hütchen. Hinter dem Verteidiger steht ein Mitspieler frei. Der Angreifer hat zwei Optionen: am Verteidiger vorbeidribbeln oder den freien Mitspieler bedienen. Die Entscheidung muss schnell fallen, weil der Verteidiger sofort Druck macht.

Du siehst hier nicht, wer am besten dribbelt. Du siehst, wer überhaupt entscheidet statt automatisch eine Aktion auszuführen. Ein Kind, das in jeder Situation dribbelt, hat keine Entscheidung getroffen. Ein Kind, das immer abspielt, ebenfalls nicht.

Wer die Dribbling-Grundlage vor der Sichtung gezielt trainieren will, findet altersgerechte Übungen im Artikel zu Dribbling-Übungen für U9, U10, U11.

Station 3: 4-gegen-4 plus Joker

Station 3: 4-gegen-4 plus Joker

Zwei Teams zu viert, zwei Joker, die immer mit dem Ballbesitzer spielen, kleine Tore, kein Torwart.

AAAABBBBJJ2 Joker spielen immer mit dem Ballbesitzerkleine Tore

Zwei Mannschaften zu vier Spielern, dazu zwei Joker, die immer mit der Ball-besitzenden Mannschaft spielen. Der Joker ist unsere eigene Ergänzung zum 4 gegen 4, kein DFB-Format. Kleine Tore, kein Torwart, 4 Minuten Spieldauer, dann wechselt ihr durch. Hier siehst du:

  • Spielintelligenz im Verbund (wer löst sich, wer bleibt am Ball kleben)
  • Orientierung in echten Spielsituationen
  • Körpersprache als Mannschaftsteil (wer coacht ruhig, wer maulert, wer zieht andere mit)

Wichtig: 4 Minuten ist kurz genug, dass keine Müdigkeit das Bild verzerrt, und lang genug, dass jedes Kind mehrere Aktionen hat.

Station 4: Abschlussspiel mit Rotation

Station 4: Abschlussspiel mit Rotation

6 gegen 6 auf größerem Feld, durchlaufend 20 Minuten, fließende Wechsel. Die Belastungsstation.

AAAAAABBBBBBfließende Wechsel6 gegen 6 oder 7 gegen 7

Ein etwas größeres Spielfeld, 6 gegen 6 oder 7 gegen 7, durchlaufende 20 Minuten mit fließenden Wechseln. Das ist die Belastungsstation. Hier interessiert dich nicht mehr Technik, sondern:

  • Wer dreht in Minute 15 nochmal auf?
  • Wer geht in Minute 12 in den Modus „heute reicht's mir"?
  • Wer übernimmt Verantwortung, wenn es eng wird?

Bewertungsbogen und Beobachter: so wird die Sichtung fair

Stationen sind nur die Hälfte. Die andere Hälfte ist, wie ihr beobachtet, dokumentiert und entscheidet. Vier Regeln, die in der Praxis den Unterschied machen:

Doppelbesetzung pro Station. Zwei Beobachter pro Station, getrennt notieren, am Ende vergleichen. Wenn beide unabhängig dieselben Spieler in der oberen Hälfte haben, ist das ein starkes Signal. Wenn sie auseinanderlaufen, ist das ein noch wichtigeres Signal: dann müsst ihr im Trainerteam diskutieren, warum ihr unterschiedlich seht.

Bei 20 bis 30 Kindern teilst du die Gruppe in zwei Hälften, die die Stationen zeitgleich auf zwei Feldern durchlaufen, jede mit eigener Doppelbesetzung. Das braucht vier Beobachter, und jeder sieht 10 bis 15 Kinder statt 30. Hast du nur zwei, sichtest du kleinere Gruppen oder verteilst die Sichtung auf zwei Termine.

Doppelbesetzung pro Station

Zwei Beobachter notieren unabhängig. Erst beim Vergleich entsteht das verlässliche Bild.

Beobachtete StationABeobachter ABBeobachter BUnabhängige Notation (1–4)Vergleich am EndeÜbereinstimmung = starkes SignalAbweichung = Trainerteam diskutiert

Eigene Empfehlung; Beobachterübereinstimmung als Gütekriterium nach Roth & Memmert (2002).

Einheitlicher Bewertungsbogen. Ein bis drei Kriterien pro Station, je aus einem der fünf Felder unten, Skala 1 bis 4. Keine 1 bis 10, keine Zehntelnoten. Vier Stufen reichen: deutlich unter Niveau, am Niveau, über Niveau, weit über Niveau. Mehr Granularität täuscht Genauigkeit vor, die nicht da ist.

Was auf den Bogen gehört: fünf Dimensionen statt einer

Ein guter Bewertungsbogen bildet nicht nur ab, was am leichtesten zu zählen ist. Auch die Talentdiagnostik im deutschen Nachwuchsfußball verlässt sich nicht nur auf sportmotorische und konditionelle Tests, sondern zieht psychologische Merkmale hinzu (Krause 2013). Die fünf Felder der Tabelle sind unser eigener Vorschlag, keine DFB-Vorgabe.

DimensionStationDas siehst du1234nicht beurteilbar
TechnischStation 1Nimmt den Ball so an, dass er spielbar bleibt, auch unter Druck☐☐☐☐☐
TaktischStation 2Schaut sich vor der Annahme um und entscheidet schnell zwischen Dribbling und Abspiel☐☐☐☐☐
PhysischStation 4Hält Antritt und Zweikampfverhalten auch in Minute 15 (Reife gegenrechnen)☐☐☐☐☐
PsychischStation 1 und 4Setzt einen Hinweis beim nächsten Versuch um und schiebt nach einem Fehlpass nach☐☐☐☐☐
SozialStation 3Coacht ruhig und zieht Mitspieler mit, statt zu maulen☐☐☐☐☐

Eigener Vorschlag. Skala 1 bis 4 wie oben. Über der Tabelle stehen auf dem Bogen Nummer, Geburtsdatum und eine grobe Reifeeinschätzung.

Wer ein Feld nicht gesehen hat, kreuzt „nicht beurteilbar“ an, statt zu schätzen. Der Sinn ist nicht, jedes Kind in fünf Dimensionen durchzubenoten. Ordne jeder Station ein Hauptfeld zu, damit am Ende nicht vier Mal dasselbe (meist Physis und Technik) auf dem Bogen steht. Decken die vier Stationen mindestens vier der fünf Felder ab, ist dein Gesamtbild breiter als der „der ist schnell und trifft“-Eindruck.

Spielerwesten mit großen Nummern. Namen merken funktioniert nicht, wenn 25 Kinder gleichzeitig auf dem Platz sind. Westen mit deutlich lesbaren Nummern auf Brust und Rücken, dazu eine Liste „Nummer 7 = Max Mustermann". Wer nach 30 Minuten noch raten muss, welches Kind gerade gepunktet hat, hat schon die Hälfte der Beobachtung verloren.

Eltern-Kommunikation vorab. Eine kurze Mail eine Woche vor der Sichtung: was passiert, wer entscheidet, wann es Rückmeldung gibt, und vor allem: dass Eltern nicht am Spielfeldrand reinrufen. Wenn das im Vorfeld klar ist, ersparst du dir 90 Minuten Nebengeräusche und am Ende eine Debatte. Wer nach der Sichtung schriftliche Rückmeldung will, bekommt sie in der Folgewoche, nicht im Auto auf dem Heimweg.

Und ein Punkt für die Mail selbst: Eine Nicht-Auswahl ist die Bewertung einer Momentaufnahme, kein endgültiges Urteil über das Kind. Wer diesen Satz in den Eltern-Brief schreibt und auf künftige Sichtungen oder offene Trainingsangebote verweist, gibt dem Kind einen Grund zu bleiben. Denn nach Roth und Memmert verlassen Kinder mit wenig Einsatzzeit den Verein oft: nicht weil sie das Spiel aufgeben, sondern weil sie nicht spielen dürfen.

Die eine Sichtung ist nur der Anfang

Selbst die beste 90-Minuten-Sichtung bleibt eine Momentaufnahme, und Momentaufnahmen irren. Die Konsequenz ist nicht, die Sichtung unfehlbar machen zu wollen, sondern sie als ersten Punkt einer längeren Beobachtung zu verstehen. Das Beispiel der portugiesischen „Goldenen Generation“ zeigt, wie das aussehen kann: wiederholte Sichtung und Entwicklung über Jahre statt einer einmaligen Auswahl (Sarmento et al. 2026).

Daraus folgen drei praktische Dinge. Erstens: Plane Re-Sichtung ein. Wer knapp nicht genommen wurde, wird in drei Monaten erneut gesehen, nicht erst in der nächsten Saison. Zweitens: Halte Spätentwickler bewusst im Blick. Wer biologisch hinterherhängt (siehe Reifegrad), ist der wahrscheinlichste Kandidat, den eine einmalige Sichtung zu Unrecht aussortiert, und zugleich der wahrscheinlichste, der mit 16 vorbeizieht. Drittens: Gestalte die Übergänge. Gelungene Entwicklung ist eine Kette bewusst gesetzter, machbarer Herausforderungen, kein einzelner Auswahlmoment.

Tipps für Eltern

Bis hierher war der Artikel für die Person geschrieben, die das Sichtungstraining leitet. Dieses Kapitel ist für dich als Mutter oder Vater eines eingeladenen Kindes. Die Ratschläge darin sind die Empfehlung dieses Artikels, keine Vorgabe eines Verbands.

Was eine Sichtung über dein Kind zeigt

Eine Sichtung zeigt einen Nachmittag, nicht das ganze Kind. Ein Kind aus dem Januar ist gegenüber einem Dezemberkind fast ein Jahr älter, und früh geborene Spieler sind in Auswahlteams überrepräsentiert (mehr dazu unter Reifegrad statt Talent). Dein Kind kann an dem Tag schwächer wirken, weil es später reift oder im Jahrgang jünger ist, nicht unbedingt, weil es weniger kann.

Vorbereitung

Unsere Empfehlung: Lass dein Kind in der Nacht davor gut schlafen, normal essen und über den Tag genug trinken. Es trägt die Kleidung und die Schuhe, in denen es sich wohlfühlt, und ihr kommt früh genug, damit niemand hetzen muss. Mach am Vortag kein Extra-Training und gib keine neuen Tipps, wie es spielen soll. Sag auch nicht: „Heute musst du alles zeigen.“ Vorher hilft ein Satz wie „Spiel so, wie du gern spielst.“ Nachher hilft die Frage „Was hat dir Spaß gemacht?“, bevor irgendjemand bewertet. Besser nicht sagen: „Das ist deine Chance“ oder „Warum hast du nicht geschossen?“.

Was dahintersteckt. Alle diese Sätze gehören zu einer Frage: Denkt dein Kind beim Spielen ans Spiel oder ans Ergebnis? Ans Spiel heißt: Was kann ich, was macht mir Freude? Ans Ergebnis heißt: Was denken die anderen, werde ich ausgewählt? Kinder, die selbst entscheiden dürfen und sich an der Aufgabe orientieren, bleiben eher dabei. Eltern, die schnelle Ergebnisse verlangen, machen dem Kind Angst zu versagen, und Zurufe vom Rand setzen junge Spieler unnötig unter Druck. Dafür gibt es Hinweise aus einer kleinen Befragung von sechs Sportlern, keinen Beweis.

  • „Heute musst du alles zeigen“ und „Das ist deine Chance“. Beide machen aus dem Spiel einen Test, an dem alles hängt. Das Kind hört: Jetzt wird entschieden. Ein Kind, das etwas beweisen soll, spielt oft vorsichtiger und sucht den sicheren Pass statt der guten Idee. Die Beobachter wollen aber die guten Ideen sehen.
  • „Spiel so, wie du gern spielst.“ Der Satz gibt dem Kind eine Aufgabe, die es erfüllen kann: bei sich bleiben, statt etwas zu beweisen. Die Beobachter wollen das Spiel sehen, das dein Kind sonst auch spielt.
  • Kein Extra-Training und keine neuen Tipps am Vortag. Wer am Vortag noch etwas Neues einübt, geht mit einer Aufgabe in den Tag, die noch nicht sitzt, und denkt sie unter Beobachtung mit.
  • „Was hat dir Spaß gemacht?“ Fehlende Freude gehört zu den Gründen, warum Kinder aufhören. Die Frage holt das Erleben nach vorn, bevor jemand bewertet. Wenn dein Kind danach von selbst über Fehler spricht, hörst du zu. Du musst sie nicht zuerst ansprechen.
  • „Warum hast du nicht geschossen?“ Eine Warum-Frage nach einem Fehler, direkt nach dem Spiel, klingt für Kinder schnell wie eine Anklage, auch wenn sie neugierig gemeint ist. Eltern, die vor allem kritisieren und kontrollieren, erhöhen die Gefahr, dass Kinder aufhören. Wenn dich etwas interessiert: später fragen, offen („Wie war das für dich, als du den Ball hattest?“), und nur, wenn das Kind darauf eingeht.

Schlaf, Essen, Trinken, Kleidung und früh genug da sein sorgen dafür, dass dein Kind normal spielen kann.

Während der Einheit

Steh dort, wo der Verein die Eltern hinstellt, und lass die Trainer arbeiten. Kein Reinrufen, auch kein gut gemeintes: Die Trainer achten genau darauf, ob dein Kind einen Hinweis aufnimmt. Filmen und fotografieren nur nach Rückfrage. Der Ethik-Grundsatz 06 der DFB-Jugendordnung nennt als Maßstab, mit Bild- und Videomaterial der Kinder „unter Beachtung des Datenschutzes“ „sensibel und verantwortungsbewusst“ umzugehen. Frag also vorher, und stell nichts von anderen Kindern ins Netz.

Nach der Sichtung

Hör erst zu, was dein Kind erzählt. Eine Rückmeldung oder eine Nicht-Auswahl ist ein Stand von heute mit einem nächsten Schritt, kein Urteil über dein Kind. Frag den Verein nach den Kriterien, nach denen beobachtet wurde, nach dem, was dein Kind gut gemacht hat, und nach dem nächsten Termin.

Fragen an den Verein vor dem Tag

Diese Punkte unterscheiden sich je nach Landesverband und Verein. Zum Probetraining und zur Versicherung von Gastkindern haben wir in den DFB-Ordnungen nichts gefunden. Dieser Artikel entscheidet das nicht. Stell die Fragen dem einladenden Verein und, wo es um Spielberechtigung geht, deinem Landesverband:

  • Ist mein Kind als Gast beim Probetraining versichert, und über wen?
  • Darf es teilnehmen, solange es in einem anderen Verein gemeldet ist?
  • Wer entscheidet über eine Spielerlaubnis, falls es zu einem Wechsel kommt? Zur Orientierung: Ein Junior bekommt in einem Spieljahr grundsätzlich nur für einen Verein eine Spielerlaubnis (DFB-Jugendordnung § 3 Nr. 1). Gastspiele regelt die DFB-Spielordnung, frag dazu deinen Landesverband.
  • Für welchen Jahrgang wird gesichtet? Die Altersklassen richten sich nach dem Kalenderjahr mit Stichtag 1. Januar (DFB-Jugendordnung § 5 Nr. 1).
  • Gibt es für Fotos und Videos eine Einverständniserklärung, und was passiert mit den Aufnahmen?

Checkliste: Sichtungstraining in 90 Minuten

Die operative Checkliste für den Tag selbst folgt derselben Logik wie unsere Turnier-Checkliste, nur für die Sichtung.

Eine Woche vorher

  • Termin, Platz, Uhrzeit bestätigt
  • Teilnehmerliste finalisiert, Eltern-Mail mit Ablauf raus (die Eltern verweist du auf Tipps für Eltern)
  • Beobachterteam gebrieft (mind. zwei pro Station und Gruppenhälfte)
  • Bewertungsbögen gedruckt, ein Stapel pro Beobachter
  • Westen mit Nummern, Nummern-Namen-Liste vorbereitet
  • Material: Hütchen, Bälle, Tore, Stift, Klemmbretter

30 Minuten vor Beginn

  • Stationen aufgebaut und begehbar
  • Beobachter pro Station zugewiesen, Bögen ausgegeben
  • Begrüßung der Kinder geplant (Wer bist du, was passiert, was nicht)
  • Eltern-Bereich klar abgegrenzt

Während der 90 Minuten

  • Aufwärmen 10 Minuten (locker, kein Bewertungsdruck)
  • Stationen 1 bis 3, je 15 Minuten plus 2 Minuten Übergang
  • Station 4 als 20-minütiges Abschlussspiel
  • Stille Pausen mit Trinken, keine Eltern-Gespräche dazwischen
  • Abschlussspiel als bewusste Beobachtungsphase, nicht als Ausklang

Direkt nach Schluss (30 Minuten)

  • Trainerteam zusammen, Bögen vergleichen
  • Wo sind die unstrittigen Fälle (oben und unten)?
  • Wo gehen die Beobachtungen auseinander, und warum?
  • Vorläufige Auswahl notieren, Kommunikation an Eltern erst am nächsten Tag

Der erste Mannschafts-Termin nach der Sichtung ist ein guter Auftakt für genau diese längere Perspektive. Wenn deine neue Auswahl steht, lohnt es sich, ihn als kleines internes Turnier zu planen: kurze Spiele, gemischte Teams, ein erster echter Mannschaftseindruck. Wie du dieses erste Turnier dann sportlich, organisatorisch und mental aufziehst, steht in unserem Fahrplan zur Turniervorbereitung.

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Checkliste zum Download

Die 90-Minuten-Sichtung als druckbare Planungsvorlage: Stationen, Beobachtungsbogen, Eltern-Mail-Muster und Auswahlraster. Druck sie aus, häng sie ans Klemmbrett am Sichtungstag.

Sichtungstraining – Checkliste90-Minuten-Sichtung PlanungsvorlagePDF herunterladen

Quellen

  • Augste, C., Lames, M. (2011): The relative age effect and success in German elite U-17 soccer teams. Journal of Sports Sciences 29(9), 983-987. 911 Spieler aus 41 Teams der drei U17-Bundesligen 2008/09; mittleres Geburtsdatum am 21. April; Zusammenhang mit der Tabellenplatzierung (ρ = .328).
  • Roth, K., Memmert, D. (2002): Sportspielübergreifende Talentförderung. BISp-Jahrbuch 2002. Spieltestsituationen mit Expertenrating als Diagnoseinventar; Kinder mit wenig Einsatzzeit verlassen den Verein oft.
  • Sarmento, H. et al. (2026): The road to expertise in U-20 football world champions. International Journal of Sports Science & Coaching. Fallstudie zur portugiesischen „Goldenen Generation“: wiederholte Beobachtung über Jahre.
  • Andronikos, G. et al. (2026): A Qualitative Investigation of Successful Junior-to-Senior Transitions in Elite Athletes. Athens Journal of Sports 13(1). Strukturierte Herausforderungen durch Trainer als Entwicklungsmechanismus.
  • Andronikos, G., Westbury, T., Martindale, R. J. J. (2019): Unsuccessful Transitions: Understanding Dropout from the Athletes’ Perspective. Athens Journal of Sports 6(4), 195–214. Interviewstudie mit sechs Sportlern; Motivationsklima, Eltern- und Zuschauerdruck und fehlende Freude als Drop-out-Faktoren.
  • Wein, H. (2004): Entwicklung der Spielintelligenz im Fußball. Institut für Jugendfußball.
  • Deutscher Fußball-Bund (Stand: 5. März 2026): Wettbewerbsformen im Kinderfußball. Kleinfeld-Formate 4 gegen 4, 6 gegen 6 und 7 gegen 7, an die Station 3 und 4 angelehnt sind. Der Joker in Station 3 ist keine DFB-Form, sondern eine eigene Ergänzung.
  • Deutscher Fußball-Bund: Trainingsphilosophie Deutschland. Biologisches Alter kann um bis zu fünf Jahre vom kalendarischen abweichen; Einteilung nach Entwicklungsstand.
  • Deutscher Fußball-Bund (Stand: 21. August 2026): Jugendordnung, § 3 Nr. 1 (Spielerlaubnis), § 5 (Altersklassen, Stichtag 1. Januar), Ethik-Grundsatz 06 (Persönlichkeitsrechte).
  • Abbott, A. (2006): Talent Identification and Development in Sport. PhD-Thesis, University of Edinburgh. Frühe Leistungswerte sind schwache Prädiktoren; Gewicht auf Entwicklung statt früher Auswahl.
  • Thomas, A. (2020): Prädiktive Relevanz leistungsmotivationaler Merkmale im Nachwuchsleistungssport. Dissertation, TU Kaiserslautern.
  • Krause, K. (2013): Entwicklung einer Talent Balanced Scorecard im professionellen Nachwuchsfussball. Dissertation, Universität Stuttgart. Fallstudie VfB Stuttgart; psychologische Komponenten in der Talentdiagnostik.
  • Nöcker, C. A. (2024): Talententwicklung durch Bio-Banding im Fußball. Dissertation, Deutsche Sporthochschule Köln.
  • Cumming, S. P. et al. (2017): Bio-banding in sport. Strength & Conditioning Journal 39(4). Definition von Früh-, On-Time- und Spätentwicklern.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Sichtungstraining?
Bei einem Sichtungstraining beobachtet ein Verein in rund 90 Minuten 20 bis 30 Kinder an mehreren Stationen und entscheidet danach, wer in die Mannschaft kommt. Anders als beim Schnuppertraining wird bewertet, im Plan dieses Leitfadens von zwei Beobachtern pro Station auf einer Skala von 1 bis 4. Wie die Zeit aufgeteilt ist, zeigt der Ablauf im Überblick.
Was ist der Unterschied zwischen Sichtung, Probetraining und Schnuppertraining?
Im Alltag werden die drei Wörter vermischt; dieser Leitfaden trennt sie als Arbeitsdefinition, nicht als Regel eines Verbands. Die Sichtung wählt aus und bewertet. Das Probetraining lässt ein Kind im laufenden Training mitmachen, bevor der Verein entscheidet. Das Schnuppertraining bewertet nicht: Die DFB-Handouts dazu nennen Spaß und Bindung als Ziel.
Wie läuft ein Sichtungstraining ab und wie lange dauert es?
Der Plan in diesem Leitfaden dauert 90 Minuten: 10 Minuten Aufwärmen, drei Stationen zu je 15 Minuten mit 2 Minuten Übergang, dann ein Abschlussspiel über 20 Minuten. Das sind 81 Minuten Blockablauf, die restlichen 9 gehören der Pause und dem Beobachter-Abgleich. Die Zeiten sind ein eigener Vorschlag, keine DFB-Vorgabe.
Wie viele Kinder und wie viele Beobachter braucht ein Sichtungstraining?
Rechne mit 20 bis 30 Kindern und vier Beobachtern: So sieht der Plan dieses Leitfadens es vor, eine Vorgabe ist das nicht. Du teilst die Gruppe in zwei Hälften, die die Stationen parallel auf zwei Feldern durchlaufen, jede mit zwei Beobachtern. Jeder sieht dann 10 bis 15 Kinder statt 30. Hast du nur zwei Beobachter, sichtest du kleinere Gruppen oder legst zwei Termine an.
Sind die Kinder bei einem Sichtungstraining versichert?
Das kann dieser Artikel nicht entscheiden, denn in den gelesenen DFB-Ordnungen steht dazu nichts. Die Jugendordnung (§ 2 Nr. 2) verpflichtet den Verein nur, für den Versicherungsschutz seiner Mitglieder bei Sportunfällen zu sorgen; ob Gäste dazugehören, bleibt offen. Frag den einladenden Verein vorab, über wen dein Kind versichert ist und ob das den Sichtungstermin einschließt.
Dürfen Kinder aus anderen Vereinen bei einem Sichtungstraining mitmachen?
Das entscheidet dieser Artikel nicht, es hängt vom einladenden Verein und seinem Landesverband ab. Kläre vorab drei Dinge: ob das Kind als Gast versichert ist, ob es mitmachen darf, solange es woanders gemeldet ist, und wer bei einem Wechsel über die Spielerlaubnis entscheidet. Belegt ist nur § 3 Nr. 1 der DFB-Jugendordnung: Ein Junior bekommt in einem Spieljahr grundsätzlich nur für einen Verein eine Spielerlaubnis. Gastspiele regelt die DFB-Spielordnung.
Was tun, wenn mein Kind nicht ausgewählt wird?
Nimm die Absage als Zwischenstand eines Nachmittags, nicht als Urteil über dein Kind. Bitte den Verein um die Kriterien, nach denen beobachtet wurde, um das, was dein Kind gut gemacht hat, und um einen neuen Termin: Dieser Leitfaden empfiehlt, knapp Nichtgenommene nach drei Monaten erneut zu sichten. Was vorher und nachher hilft, steht unter Tipps für Eltern.