Zur Startseite
Nahaufnahme einer Funino-3-gegen-3-Szene: Kind im gelben Leibchen führt den Ball, Verteidiger im roten Leibchen schließt auf, dritter Mitspieler sprintet in den freien Raum.

Funino im Kinderfußball: Trainerleitfaden für U6 bis U11

⚽ Funino-Spielformen, acht Übungen und Coaching-Cues für U6 bis U11, plus Eltern-Mailing und druckbare Übungs-Karten. So machst du dein Dienstag-Training.

Veröffentlicht am 30 Min. Lesezeit
  • training
  • youth-football
  • funino
  • kinderfussball
  • dfb-reform

Auf einen Blick

  • Funino ist das DFB-Pflichtformat für G- und F-Jugend ab Saison 2024/25: drei gegen drei auf vier Mini-Tore, ohne Torwart und ohne Tabelle.
  • Spanien nutzt Funino seit 1993 als offizielles Lehrbuch; England wechselt 2026/27 mit FutureFit auf 3v3 für die U7.
  • Vier Tore zwingen jedes Kind zur Entscheidung, welches Tor offen ist. Das schult Wahrnehmung stärker als jeder isolierte Dribbel-Drill.
  • Bei 4v4 erreichen Spielformen 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Konditionstraining ohne Ball wird damit für U10/U11 überflüssig.
  • Die häufigste Eltern-Frage ist, warum es keine Tabelle gibt. Mit DFB-Booklet und Wahrnehmungs-Argument lässt sich das in zehn Minuten erklären.

Du stehst Dienstag-Abend am Rand des Trainingsplatzes, die G-Jugend trampelt schon ungeduldig herum, und du weißt, dass die DFB-Reform ab 2024/25 das alte Sechs-gegen-sechs auf Großtore endgültig abgeschafft hat. Statt dessen: drei gegen drei auf vier Mini-Tore. Funino. Du hast es im Trainerlehrgang einmal kurz gesehen, du hast Eltern, die fragen, warum es keine Tabelle mehr gibt, und du hast einen Verein, der gerne weiterspielen würde wie früher.

Dieser Leitfaden ist die Praxisseite zur Reform-Übersicht im Spielformen-Kinderfußball-Artikel: was du am Trainingstag konkret machst, welche acht Spielform-Varianten du im Repertoire haben solltest, wie du das Format an die G-, F- und E-Jugend anpasst und wie du es den Eltern in zehn Minuten ohne Schlagabtausch erklärst. Mit Coaching-Cues, einer druckbaren Übungs-Karten-PDF am Ende und einer Eltern-Mail-Vorlage für den nächsten Elternabend.

Was Funino ist

Funino ist eine Spielform für sechs Kinder: zwei Mannschaften mit je drei Feldspielern, kein Torwart, vier Mini-Tore. Auf jeder Grundlinie stehen zwei Tore, jeweils 2 Meter breit und 1 Meter hoch, mit mindestens 12 Metern Abstand zwischen den beiden Toren auf derselben Linie (Wein, 2011, S. 7095–7100). Das Spielfeld ist klein: 20 mal 27 Meter im Original, der DFB nimmt für die G-Jugend nochmal kleinere Maße. Auf einem regelgerechten Großfeld passen acht parallele Funino-Felder.

Im offiziellen DFB-Regelwerk heißt das Format „3-gegen-3 mit vier Minitoren"; im Vereinsalltag und in der Trainerausbildung ist Funino die gängige Kurzbezeichnung. Wir benutzen die beiden Begriffe in diesem Artikel synonym. Der DFB-Booklet Wettbewerbsformen im Kinderfußball (Stand 09/2024) ist die offizielle Referenz für die deutschen Regeln; Wein selbst hat das methodische Fundament in Spielintelligenz im Fußball (Meyer & Meyer, 2011, 4. Auflage) gelegt.

Den Namen FUNiño hat Wein selbst geprägt: aus dem englischen fun und dem spanischen niño (Kind). Wein lebte zur Zeit der Wortschöpfung in Barcelona, wo das spanische Lehrbuch entstand. Seine Werke Developing Youth Football Players und Game Intelligence sind seit 1993 offizielles Lehrbuch der Real Federación Española de Fútbol; FC Barcelona und Athletic Bilbao haben die Methodik in der Nachwuchsausbildung verankert. In Deutschland kam das Format erst über Mainz 05 (Prof. Dr. Dr. Matthias Lochmann, Universität Erlangen) und Schalke 04 in den Vereinsalltag. Lochmann hat unter dem Begriff Wettkampfsystem 4.0 einen Großteil der wissenschaftlichen Basis für die spätere DFB-Reform geliefert (Lochmann, 2015c; Akdag/Poimann/Czyz/Lochmann, 2016a, 2016b).

Das Funino-Spielfeld nach Wein und DFB-Reform

27 × 20 Meter, zwei Mini-Tore pro Grundlinie (2 × 1 m), 12 m Mindestabstand zwischen den beiden Toren, 6-Meter-Schusszone. Diese Variante ist im DFB-Booklet 2024 als Pflichtformat für G- und F-Jugend verankert.

Das Funino-Spielfeld nach Wein und DFB-ReformDas Funino-Spielfeld nach Wein und DFB-Reform: Funino-Spielfeld 27 mal 20 Meter mit zwei Mini-Toren auf jeder Grundlinie und 6-Meter-Schusszone: 27 × 20 Meter, zwei Mini-Tore pro Grundlinie (2 × 1 m), 12 m Mindestabstand zwischen den beiden Toren, 6-Meter-Schusszone. Diese Variante ist im DFB-Booklet 2024 als Pflichtformat für G- und F-Jugend verankert.27 m20 m6 m12 mSchusszoneMini-Tor 2 × 1 mMittellinie

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, S. 7095–7100; DFB-Booklet Wettbewerbsformen im Kinderfußball, Stand 09/2024.

FA FutureFit 3v3-Spielfeld zum Vergleich

20 × 15 Meter (FA-Obergrenze, Min 15 × 10 m), ein Tor pro Grundlinie 120 × 75 cm, keine Schusszone. Der Schütze muss in der Gegnerhälfte sein, sonst zählt das Tor nicht. Englische FA-Variante, verpflichtend ab Saison 2026/27 für die U7.

FA FutureFit 3v3-Spielfeld zum VergleichFA FutureFit 3v3-Spielfeld zum Vergleich: FA FutureFit 3v3-Spielfeld 15 mal 20 Meter mit einem Tor pro Grundlinie und Halfway-Line-Schussregel: 20 × 15 Meter (FA-Obergrenze, Min 15 × 10 m), ein Tor pro Grundlinie 120 × 75 cm, keine Schusszone. Der Schütze muss in der Gegnerhälfte sein, sonst zählt das Tor nicht. Englische FA-Variante, verpflichtend ab Saison 2026/27 für die U7.20 m15 mTor zählt nur, wenn der Schütze in der Gegnerhälfte ist120 × 75 cmMittellinie

The FA, FutureFit 3v3 — Early Adopter Guidance, September 2025.

So unterscheiden sich die Verbände

Gleiches Grundprinzip, drei Regelwerke. Wer in der Berichterstattung schon mal die Begriffe durcheinandergewürfelt gesehen hat: hier steht, was tatsächlich unterschiedlich ist und was identisch.

DetailDFB-Reform (Deutschland, ab 24/25)FA FutureFit (England, ab 26/27)RFEF / Wein-Original (Spanien, seit 1993)
PflichtaltersgruppeG- und F-Jugend (eine von mehreren Optionen)nur U7 (3v3 als dediziertes Format)U9 als Kernformat, bis U11 eingesetzt
Spielfeldgröße20 × 27 m bis 25 × 30 m (kleinere G-Jugend-Variante)10 × 15 m empfohlen, max. 15 × 20 m20 × 27 m (Wein-Original)
Tore je Grundlinie2 Mini-Tore (2 × 1 m, 12 m Abstand)1 Tor (120 × 75 cm)2 Mini-Tore (Wein-Design)
Schussregel6-m-Schusszone von der GrundlinieSchütze muss in der Gegnerhälfte sein (Halfway-Line-Regel)6-m-Schusszone
Torwartnein (2v2/3v3); optional ab 4v4/5v5neinnein
WechselRotation nach jedem Tor (G) bzw. alle 3 min (F)keine; jedes Kind spielt die ganze VeranstaltungRotation in die Varianten eingebaut
SchiedsrichterTrainer als gemeinsame Spielleiterkeine; Pitch Facilitators moderieren selbstkeine
Eltern/ZuschauerMindestabstand zum Feld (oft 15 m als Vereinsregel)3-m-Respect-Line (8 m bei aneinandergrenzenden Feldern)keine spezifische Vorgabe
Tabellenwerden nicht geführt (Festival-Format)werden nicht geführtwerden nicht geführt
Spieldauer5×5 bis 7×7 min (G) bzw. 5×10 bis 6×12 min (F)6 bis 10 min pro Spiel, 30 bis 40 min gesamt pro Kind4×3 min Standard
Spieltag-RitualeFestival-Karussell: Siegerteam rückt ein Feld hoch, Verliererteam runterSchere-Stein-Papier zum Start, High-Five am Ende, Torschütze läuft zur eigenen Grundlinie zurückWein-Original-„Karussell" mit Rotation

Drei Konsequenzen für den deutschen Trainer-Alltag. Erstens, am Spieltag gelten die DFB-Regeln (sechs Meter Schusszone, vier Mini-Tore, Rotation alle drei Minuten); die FA-Variante mit einem Tor pro Seite und Halfway-Line-Regel kannst du als Trainingsspielform nutzen, aber nicht am offiziellen Spieltag. Zweitens, die Eltern-15-Meter-Regel ist eine deutsche Vereins-Konvention, nicht im DFB-Booklet kodifiziert; die FA hat dagegen die 3-Meter-Respect-Line explizit niedergeschrieben. Drittens, die Spieltag-Rituale (Schere-Stein-Papier, High-Five, Pitch Facilitator) sind FA-Erfindungen und nicht Teil der deutschen Reform.

Funino jenseits Deutschlands

Eine Sache, die in der DFB-Reform-Diskussion oft untergeht: Deutschland ist mit dem Pflichtformat 2024/25 zur internationalen Linie aufgeschlossen, nicht vorausgegangen. Hier ist der Stand in sechs Verbänden:

LandU7-FormatU9-FormatU11-FormatFunino-Bezug
🇩🇪 Deutschland (DFB, ab 24/25)2v2 oder 3v3 auf 4 Minitore3v3 oder 4v4 oder 5v54v4 oder 5v5 oder 7v7"3-gegen-3 mit 4 Minitoren" als Pflichtformat
🇪🇸 Spanien (RFEF, seit 1993)Fútbol 3 oder 5Fútbol 7 (7v7)Fútbol 7 (7v7)Wein-Funino als offizielles Lehrbuch, FC Barcelona-übernommen
🏴󠁧󠁢󠁥󠁮󠁧󠁿 England (FA FutureFit, ab 26/27)3v3 ohne Torwart und Schiedsrichter5v57v7direkt Funino-Logik, FA brandet als "FutureFit"
🇫🇷 Frankreich (FFF)Foot à 5 (5v5)Foot à 5 (5v5)Foot à 8 (8v8)indirekt, keine 3v3-Stufe, aber Plateau-Festival
🇺🇸 USA (US Soccer PDI, seit 2017)4v4 ohne Torwart7v7 mit Build-out-Line9v9verwandt, keine 3v3-Stufe
🇧🇷 Brasilien / 🇦🇷 Argentinieninformell, oft Futsal oder Baby-Fútbolwenig formalFutebol 7 oder Baby-Fútbolorganisch durch Straßenfußball und Futsal

Drei Konsequenzen für den Trainer-Alltag in Deutschland: Erstens, Funino ist kein deutsches Sonder-Experiment, sondern internationaler Standard. Zweitens, das exakte 4-Tore-Format ist eine deutsche und spanische Eigenheit. England geht mit FutureFit auf 3v3 mit nur zwei Toren, USA spielt 4v4. Drittens, die Festival-Logik (mehrere kurze Spiele am selben Tag, ohne Tabelle, mit Rotation) ist die international etablierte Veranstaltungsform für Funino-ähnliche Formate. Mehr zur Reform-Übersicht steht im Leitfaden zu den Spielformen im Kinder- und Jugendfußball 2026.

Warum 4 Tore die Spielintelligenz schulen

Wein selbst hat es 2011 so formuliert: „Dadurch, dass jede Mannschaft in zwei voneinander getrennt stehenden Toren zum Erfolg kommen kann, wird die Wahrnehmungsfähigkeit, das Verstehen einer Spielsituation, das taktische Denken und Verhalten sowie die Fantasie und Kreativität der Kinder geschult" (S. 7186–7195). Der Vergleich zum klassischen Format ist sportwissenschaftlich gut belegt: Daniel Memmert (2011) hat sechs sportspielübergreifende Basistaktiken validiert: Ziel ansteuern, Ball dem Ziel annähern, Zusammenspiel, Lücken ausnutzen, Gegnerbehinderung umgehen, Überzahl herausspielen. Im 11v11 ist nur eine Untermenge dieser Taktiken pro Aktion aktiv; im 3v3 auf vier Tore sind ständig alle sechs gleichzeitig im Spiel.

Konkret bedeutet das, dass ein 8-Jähriger in einem Funino-Spiel innerhalb von zwei Minuten typischerweise sechs bis acht Mal die gleiche Lese-Entscheidung bekommt: Welches der beiden Tore auf der anderen Seite ist gerade weniger gut verteidigt? Soll ich passen oder selber durchziehen? Wo bewegt sich gerade meine Mitspielerin hin? Im klassischen Sechs-gegen-Sechs auf ein zentrales Tor bekommt derselbe Spieler diese Entscheidung vielleicht zwei oder drei Mal pro Spielzeit-Block. Die Wiederholungszahl ist der eigentliche Wirkmechanismus.

Ballkontakte pro Kind und Spiel

Branchen-Schätzwerte aus dem FRANdata-Report 2024 für 4v4-ähnliche Formate gegenüber dem klassischen 11v11. Konkrete Zahlen variieren je nach Studie.

22klassisches 11v11270Funino-nahes 4v4

FRANdata 2024, Small-Sided Soccer Report.

Aktive Spielzeit pro Kind

Anteil der Spielzeit, in der ein Kind ballnah ist und Entscheidungen treffen muss. Schätzwerte aus Beobachtungsstudien.

≈ 25 %7v7≈ 60 %Funino 3v3%

Schätzwerte aus Wein (2011) Vergleichstabellen und Memmert (2011).

Funino als Konditionstraining

Diese Frage kommt im Trainerkollegium spätestens nach dem dritten Funino-Training: „Müssen die nicht auch mal richtig laufen, ohne Ball?" Die sportwissenschaftliche Antwort ist klar. Hoff, Wisloff, Engen, Kemi und Helgerud (2002) haben gezeigt, dass small-sided games dieselbe Intensität wie klassisches aerobes Intervalltraining erreichen: bei 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz, mit Belastungszeiten von drei bis fünf Minuten (zit. in Schmoll, 2020, S. 615–621). Genau diese Belastungsdauer entspricht der DFB-Reform-Rotationsregel: alle drei Minuten Spielzeit, dann Wechsel.

Die Konsequenz für die Wochenplanung: Im Kinderfußball ist ein zusätzliches Ausdauertraining ohne Ball für die U10/U11 nicht nötig. Funino mit der vom DFB vorgegebenen Drei-Minuten-Rotation ist selbst das Konditionstraining. Christian Kolodziej (FC Vaduz) hat es beim Internationalen Trainer-Kongress 2018 in einem Satz zusammengefasst: „Spielfeldgröße, Anzahl der Spieler und Spieldauer sind die Belastungsnormative, um unterschiedliche Belastungsintensitäten zu erreichen." Wer mehr Lauf-Anteil will, geht an die obere Maßgrenze (25 mal 30 Meter); wer mehr Antritte und Richtungswechsel will, bleibt klein (Casamichana, Bradley & Castellano, 2018, zit. in Gualtieri, 2025).

Eine wichtige Einschränkung gehört dazu: Für reine Sprintschulung ist das Format weniger geeignet. Dalen et al. (2019, zit. in Gualtieri, 2025) haben im 4v4 auf 39 mal 39 Meter eine Hochgeschwindigkeitsdistanz von nur 2,7 Metern pro Minute gemessen, gegenüber 8,4 Metern pro Minute im offiziellen 11v11. Wer in der U10/U11 die echten Sprintreize will, kombiniert Funino mit kurzen Sprint-Stafetten am Trainings-Anfang. Für die G/F-Jugend ist das ohnehin nicht das Thema.

Und zum Thema Verletzungsrisiko: Funino reduziert per Definition die langen Sprintphasen, die im klassischen Spiel die meisten Hamstring-Verletzungen verursachen. Die kleinen Felder erhöhen zwar die Anzahl der Beschleunigungen und Richtungswechsel, aber bei sechs- bis elfjährigen Spielern mit geringer Körpermasse und niedrigen Geschwindigkeiten ist das praktisch unkritisch. Ab der mittleren E-Jugend lohnt sich ein kurzer dynamischer Aufwärm-Block vor dem ersten Funino-Spiel; sechs Minuten reichen.

Spielfeld & Material in 2 Minuten

Du brauchst pro Funino-Feld:

  • Vier Mini-Tore, jeweils 2 Meter breit und 1 Meter hoch (Wein-Original-Maß). Der DFB-Booklet lässt auch leicht abweichende Maße zu (bis 1,65 Meter Höhe).
  • Acht Hütchen, um die 6-Meter-Schusszone vor jedem Tor zu markieren. In der G-Jugend (2v2) entfällt die Schusszone; dort gilt: Tore ab der Mittellinie. In der G-Jugend 3v3 und ab F-Jugend ist die Schusszone Pflicht.
  • Ein Spielball pro Mannschaft, plus ein Ersatzball am Spielfeldrand. Welche Ballgröße zu welcher Altersstufe passt, zeigt die Übersichtstabelle direkt darunter.
  • Leibchen in zwei klar unterscheidbaren Farben. Bei sechs- bis siebenjährigen Spielern bewähren sich kontrastreiche Farbpaarungen (z. B. Pink/Schwarz, Gelb/Blau) gegenüber dem klassischen Rot/Blau.

Ballgrößen-Übersicht für den Jugendfußball:

AltersstufeDFB (Reform 24/25)FA (FutureFit 26/27)GewichtBemerkung
G-Jugend U6/U7 (Bambini)Größe 3Größe 3ca. 290 gbeidseits einheitlich
F-Jugend U8/U9Größe 3Größe 3ca. 290 gDFB- und FA-Standard für 3v3/5v5
E-Jugend U10Größe 4Größe 3DFB 350 g, FA 290 gDFB wechselt früher zum größeren Ball; FA hält Size 3 bis U11
E-Jugend U11Größe 4Größe 3DFB 350 g, FA 290 gFA hält U11 ein Jahr länger bei 7v7 und Size 3
D-Jugend U12/U13Größe 4Größe 4ca. 350–390 gbeidseits einheitlich
C-Jugend U14 aufwärtsGröße 5Größe 5ca. 410–450 goffizielle Erwachsenen-Ballgröße; FA hat 2025 von Größe 4 auf 5 umgestellt
B/A-Jugend U15/U16+Größe 5Größe 5ca. 410–450 gunverändert

Für die Funino-Variante in der Halle ist ein leichter, dämpfungsarmer Ball Größe 3 ideal. Die FA-FutureFit-Vorgabe für 3v3 in England ist explizit „Size 3 (psi 5)". Der größte Unterschied zur DFB-Vorgabe liegt bei U10/U11: die FA hält dort Size 3, weil das 7v7-Format ein Jahr länger gespielt wird; der DFB wechselt schon ab U10 auf Size 4.

Wer keine Mini-Tore hat, baut sie aus Hütchen oder Stangen. Wein selbst schreibt (2011, S. 7106): „Sollten sich während des Spieles die Standorte der Tore verändern, so gibt der Schiedsrichter auch dann ein Tor, wenn der Ball seiner Meinung nach die Linie an der Stelle übertreten hat, wo das Tor ursprünglich stand." Das nimmt dem Material-Mangel den Streß.

Eine pragmatische Stellschraube für den Trainer-Alltag: Über die Feldgröße steuerst du die Belastung. Ein 20 mal 27 Meter großes Feld (Wein-Standard) gibt mittlere Intensität mit guter Lese-Anforderung. 25 mal 30 Meter (DFB-Obergrenze) gibt mehr Laufanteile und ist gut für die zweite Saisonhälfte, wenn die Kinder fitter sind. 18 mal 22 Meter (G-Jugend) gibt sehr enge Räume, viele Antritte, viele Ballkontakte pro Minute. Hütchen umstellen ist eine Minute Arbeit.

Beim Heimspielbetrieb: Plane mindestens 4 Wochen Vorlauf vor dem ersten Heimspieltag mit dem neuen Format. Mini-Tore bestellen, Schusszonen-Markierungen klären, Schiedsrichter-Helfer briefen und einen Elternabend setzen, in dem du den Modus erklärst. Mehr zur Festival-Tag-Logistik steht im Leitfaden zum Hallenturnier veranstalten.

Funino-Stufen-Modell U6 bis U11

Funino ist kein einzelnes Format, sondern ein Stufen-Modell. Der DFB-Reform-Booklet (Stand 09/2024) gibt das exakte Schema vor:

AltersstufeFormat(e)SchusszoneSpielzeit pro BlockRotationTorwart
G-Jugend U6/U7 (2v2)2 Feld + 1 Wechselnein, ab Mittellinie5×5 bis 7×7 minnach jedem Tornein
G-Jugend U6/U7 (3v3)3 Feld + 2 Wechsel6 m Schusszone7×7 bis 6×7 minnach jedem Tornein
F-Jugend U8/U9 (3v3)3 Feld + 2 Wechsel6 m Schusszone5×10 minnach jedem Tornein
F-Jugend U8/U9 (4v4)4 Feld + 3 Wechsel6 m Schusszone6×10 bis 6×12 minalle 3 min per Pfiffoptional
F-Jugend U8/U9 (5v5)5 Feld + 4 Wechsel6 m Schusszone6×10 bis 6×12 minalle 3 min per Pfiffoptional
E-Jugend U10/U11 (5v5)5 Feld + 4 Wechsel6 m Schusszone6×10 bis 6×12 minalle 3 min per Pfiffja (Kleinfeld)
E-Jugend U10/U11 (7v7)7 Feld + Wechselklassische Spielfeldlinien4×15 oder 2×25 minje 7 min Nebenfeldja (Kleinfeld)

Drei Regelmerkmale gelten durchgängig: Erstens, die DFB-Reform sieht ab F-Jugend einen Ausgleichs-Mechanismus vor („Bei 3 Toren Unterschied kann die zurückliegende Mannschaft einen zusätzlichen Spieler ins Spiel bringen, bis der Spielstand wieder ausgeglichen ist"). Zweitens, gespielt wird in Turnierform mit aufsteigenden und absteigenden Feldern: Nach jedem Durchgang geht das Siegerteam ein Feld weiter, das unterlegene Team ein Feld zurück. Drittens, „die Entscheidungen während des Spiels sollen von den Kindern weitestgehend selbst getroffen werden. Die Trainerinnen/Betreuerinnen fungieren als gemeinsame Spielleiter*innen und greifen nur bei Bedarf ins Spielgeschehen ein" (DFB-Booklet 09/2024, S. 8).

Das letzte Zitat ist die wichtigste Coaching-Anweisung der gesamten Reform.

G-Jugend U6/U7: 2v2 und 3v3

Der wichtigste pädagogische Schritt in der G-Jugend ist die Loslösung vom „Traubenfußball". Ein 6-jähriger sieht den Ball, der ganze Schwarm rennt zum Ball, einer schießt, alle laufen hinterher. Genau diesen Reflex zerlegt die 2v2-Variante. Mit nur zwei Spielern pro Mannschaft und vier Mini-Toren entsteht zwangsläufig eine Aufgabenteilung: einer geht zum Ball, einer bleibt frei. Wer beide Spieler zum Ball schickt, verliert sofort das Tor. Die Lernkurve in den ersten drei Trainings ist atemberaubend, weil die Aufgabe so klar ist.

Das DFB-Booklet (09/2024, S. 8) gibt für die 2v2-Variante: Spielzeit 5×5 bis 7×7 Minuten, drei Minuten Pause zwischen den Durchgängen, kein Torwart, Tore zählen erst ab der Mittellinie. Eine Mannschaft besteht aus zwei Feldspielern plus einem Wechsel; nach jedem gefallenen Tor wechseln beide Mannschaften einen Spieler nach festgelegter Reihenfolge. Die Wechsel-Logik garantiert, dass jedes Kind in jedem Durchgang gleich viele Minuten bekommt. Der häufigste Eltern-Vorwurf („mein Kind bekommt zu wenig Spielzeit") wird damit strukturell ausgeschlossen.

Ab der zweiten Saisonhälfte oder ab der starken U7 lohnt der Wechsel zur 3v3-Variante. Die ist anspruchsvoller, weil mit drei Spielern echte Dreieckskommunikation möglich wird. Wein selbst hat das in Spielintelligenz im Fußball (2011, S. 7236–7239) so begründet: „Die Dreieckformation erlaubt sowohl im Angriff wie auch in der Abwehr eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit." Die Schusszone (6 Meter vom Tor) wird eingeführt, die Spielzeit erhöht sich auf 7 Minuten pro Block.

Funino 3v3: Grundform für die G-Jugend

Drei gegen drei auf vier Mini-Tore. Pass auf den freien Mitspieler, Schuss aufs offene Tor.

A1A2A3V1V2V3Tor zählt nur aus der 6m-SchusszoneAngreiferVerteidiger

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, Kap. III.

Die wichtigsten Coaching-Cues für die G-Jugend:

  • Stelle Fragen, gib keine Anweisungen. Wenn ein Kind allein zum Tor rennt: „Wo ist deine Mitspielerin?" statt „Du sollst passen!". Wein-Original-Grundsatz: „Statt den Spielern Fische zu geben, sollten Sie zeigen, wie man sie fängt."
  • Eltern auf 15 Meter Abstand. Steht explizit im DFB-Booklet. Eltern an der Seitenlinie übersteuern das Verhalten der Kinder.
  • Wechsel-Rituale ernst nehmen. Wer rein-, wer rausgeht ist vorher festgelegt; im Spiel keine Diskussion. Sonst sind alle drei Minuten 60 Sekunden weg.

Eine Stolperfalle: Acht-Jährige verlieren in der 3v3-Grundform schnell den Spaß, wenn die Verteidigung zu lange den Ball erobern muss. Beobachte, ob jeder Spieler in jedem 7-Minuten-Block mindestens einmal selbst aufs Tor schießt. Wenn nicht: Feld verkleinern oder eine Vorgabe einführen („vor dem Schuss müssen alle drei den Ball berührt haben"). Mehr dazu im Variations-Kapitel weiter unten.

F-Jugend U8/U9: 3v3, 4v4, 5v5

Die F-Jugend ist der wichtigste Lern-Korridor im gesamten Kinderfußball. Wein hat den Acht- und Neunjährigen einen ganzen Buchteil gewidmet und schreibt (2011, S. 657–660): „Minifußball auf vier Tore und seine vielen Varianten ist für die Acht- und Neunjährigen ein maßgeschneiderter Wettkampf, der alle ihre Wünsche und Erwartungen erfüllt." Der DFB-Booklet (09/2024, S. 13–17) bestätigt das mit drei zulässigen Spielformen (3v3, 4v4, 5v5) und mit Spielzeiten von 5×10 bis 6×12 Minuten pro Block.

Im Trainingsalltag funktioniert eine klare Saisonprogression:

  • Wochen 1–8 (Spätsommer/Herbst): 3v3 als Hauptformat. Schusszone konsequent durchsetzen, Wechsel nach jedem Tor. Coaching reduziert auf zwei bis drei Fragen pro Durchgang. Ziel: jedes Kind kennt seine Mitspieler und kann unter Druck einen Pass spielen.
  • Wochen 9–18 (Winter/Frühjahr): 4v4 als Hauptformat, 3v3 als Rückfall bei kleinen Trainings. Optional mit Torwart in einem der beiden Kleinfeldtore. Der vierte Feldspieler bringt eine neue Lernebene: jetzt geht es um Staffelung und Tiefe, nicht mehr nur um die Breite.
  • Wochen 19 bis Saisonende (Frühling): 5v5 als Vorbereitung auf den Übergang zur E-Jugend. Hier funktioniert die Variante mit vier Mini-Toren genauso wie die Variante mit klassischen Kleinfeldtoren plus Torwart.

Für die Hauptphase im 3v3 sind zwei Spielform-Varianten ungewöhnlich nützlich. Erstens die Joker-Variante: ein neutraler Spieler steht auf der Mittellinie und spielt immer mit der Mannschaft, die gerade den Ball hat. Damit hat die ballbesitzende Mannschaft jederzeit eine Vier-gegen-Drei-Überzahl. Das schult Anbieten und Lücken-Ausnutzen, ohne dass eine Mannschaft frustriert wird, weil sie strukturell unterlegen ist.

Funino 3v3 mit Joker

Neutraler Joker auf der Mittellinie spielt immer zur ballbesitzenden Mannschaft. Vier gegen drei unter realem Druck.

A1A2A3V1V2V3JJoker spielt mit der ballbesitzenden Mannschaft

Eigene Synthese · Wein-Variantenraster (2011).

Zweitens die Pflicht-Pass-Variante: Vor jedem Torschuss müssen alle drei Mitspieler den Ball berührt haben. Die Variante erzwingt Teamspiel und löst den klassischen „nur der schnellste Spieler erzielt alle Tore"-Konflikt, der in der F-Jugend regelmäßig auftaucht. Eltern lieben diese Variante, weil ihre weniger durchsetzungsstarken Kinder auch ans Tor kommen.

Funino 3v3 mit Pflicht-Pass

Vor jedem Torschuss müssen alle drei Mitspieler den Ball berührt haben. Erzwingt Teamspiel.

123VVV123Tor zählt nur, wenn alle drei vorher am Ball waren

Eigene Synthese · Wein (2011), Variationen Minifußball.

Eine Stolperfalle in der F-Jugend: Der Übergang von 3v3 auf 4v4 ist methodisch der schwerste Sprung. Mit dem vierten Spieler entsteht erstmals echte Mannschaftstaktik, was viele 8-Jährige überfordert. Die Empfehlung aus der Trainerausbildung: Wenn die Mannschaft 4v4 spielt, reduziere das Coaching auf maximal zwei klare Verhaltens-Cues pro Trainingseinheit. „Wenn du den Ball nicht hast, gehe ein paar Schritte zurück" reicht. Mehr Anweisungen sind kontraproduktiv. Das bestätigt auch die DFB-Sportlehrer-Linie (Halemeier, ITK 2018): „Das Coaching des Trainers wird reduziert und beschränkt sich auf zielführende Fragestellungen in den Pausen."

E-Jugend U10/U11: 5v5 und 7v7-Diamond

Die E-Jugend ist die Übergangsstufe. Bis hierher war das Format auf reine Spielintelligenz und Ballkontakte ausgerichtet; ab hier kommen erstmals taktische Aufgaben dazu — Staffelung, Tiefe, Aufbauspiel über die eigene Hälfte. Wein selbst hat das in Spielintelligenz im Fußball mit dem 7v7-Diamond für 11- bis 12-Jährige aufgenommen (S. 8825–8857): „Es wird zunächst ohne und dann mit Abseits 7:7 gespielt: ein Torwart, ein freier Abwehrspieler, drei Mittelfeldspieler und zwei Sturmspitzen. Alle fünf Minuten tauschen alle Spieler ihre Rollen und Plätze."

Der DFB-Reform-Booklet (09/2024, S. 19–22) lässt für die E-Jugend mehrere Formate zu: 4v4, 5v5 und 7v7. Die meisten Landesverbände setzen 5v5 als Standardform an, mit 7v7 als Erweiterung zur Vorbereitung auf D-Jugend. Im Trainingsalltag funktioniert eine Zweiteilung gut: Mittwochs 5v5 als Hauptform (mehrere Spielform-Varianten mit Mini-Toren), freitags 7v7-Diamond als Spielvorbereitung.

Funino 5v5: F→E-Übergang

Fünf gegen fünf auf vier Mini-Tore. Brücke von der F- zur E-Jugend mit Diamond-Vorform.

A1A2A3A4A5V1V2V3V4V5Vier Mini-Tore, optional Kleinfeldtore mit Torwart

DFB Wettbewerbsformen im Kinderfußball, Booklet 09/2024, S. 14–17.

Im 5v5-Variante mit Mini-Toren ist die zentrale Lernaufgabe das Aufrücken der zweiten Reihe. Mit fünf Spielern entsteht zwangsläufig eine Vorne-/Mitte-/Hinten-Staffelung. Wer das nicht trainiert, hat fünf Spieler in einer Linie um den Ball. Das alte F-Jugend-Muster. Coaching-Cue: „Wenn dein Mitspieler vorne den Ball hat, gehst du einen Schritt nach. Wenn dein Mitspieler hinten den Ball hat, gehst du nach vorne." Diese eine Regel ändert das Spiel mehr als jede taktische Erklärung.

Die 7v7-Diamond-Variante ist der erste systematische Schritt in Richtung klassisches Mannschaftsspiel. Wein hat die Aufstellung 1-1-3-2 (Torwart, freier Verteidiger, drei Mittelfeld, zwei Sturmspitzen) als Brücke gedacht, weil sie genug Spieler hat, um alle Aufgaben zu verteilen, aber wenig genug, dass jedes Kind in jeder Partie an mehreren Aktionen direkt beteiligt ist. Die Rotation alle fünf Minuten (jedes Kind tauscht Position) ist Pflicht, sonst landen die schnellsten Spieler dauerhaft im Sturm und die schüchternsten dauerhaft im Tor.

Funino 7v7: Wein-Diamond für die E-Jugend

Aufstellung 1-1-3-2: Torwart, freier Verteidiger, drei Mittelfeldspieler in der Raute, zwei Sturmspitzen.

TWVMFMF6STSTVVMFMFSTSTTWWein-Diamond: 1-1-3-2 mit freiem Verteidiger und Doppelspitze

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, Kap. zu 7v7-Vorstufen.

Eine pragmatische Frage für die E-Jugend-Trainerin: Wann lohnt es sich, den 7v7-Block durchzuziehen, wenn nur 12 Kinder im Training sind? Die ehrliche Antwort: Bei zwölf Kindern bleibst du beim 5v5 mit Wechseln. 7v7 funktioniert ab 16 Kindern aufwärts. Sonst sitzt zu viel Spielzeit auf der Bank. Für Dribbling-Spezialaufgaben in der E-Jugend ist der Leitfaden zu Dribbling-Übungen U9 bis U11 der natürliche Anschluss.

Funino-Variationen für die Hauptphase

Drei Varianten, die in jedem Funino-Trainer-Repertoire stehen sollten. Sie sind unabhängig vom Alters-Format einsetzbar; die 3v3-Grundgeometrie bleibt, nur eine Regel ändert sich.

Zonen-Variante. Das Feld wird durch eine zusätzliche Linie in zwei Hälften geteilt (parallel zur langen Seite). Jede Mannschaft muss in jeder Zone mindestens einen Spieler haben. Diese Variante zerlegt den Bienenschwarm-Reflex strukturell und schult Positionsbewusstsein. Funktioniert ab der starken F-Jugend, ist in der E-Jugend Pflichtvariante.

Funino 3v3 Zonen

Feld in zwei horizontale Zonen geteilt. Jede Mannschaft hat mindestens einen Spieler in jeder Zone.

A1A2A3V1V2V3Zone 1Zone 2

Eigene Synthese · Memmert (2011), Basistaktiken im Sportspiel.

Halle-Adaption. Hallenfeld 15 mal 20 Meter, Mini-Tore durch Linien-Tore ersetzt, Banden zählen als Mitspieler (Pass gegen die Wand und wieder aufnehmen ist erlaubt). Der DFB-Reform-Booklet sieht die Halle-Variante explizit für die Wintermonate vor; die meisten G- und F-Jugend-Vereine spielen ein halbes Jahr lang ausschließlich Halle. Das Bandenspiel ist methodisch wertvoll, weil es eine zusätzliche Pass-Option zwingt: Ein Kind, das verzweifelt versucht durchzudribbeln, lernt sehr schnell, dass die Bande auch ein Mitspieler ist.

Funino 3v3 Halle

Engeres Feld 15 × 20 m, Mini-Tore durch Linien-Tore ersetzt, Banden als Mitspieler.

A1A2A3V1V2V3Bandenspiel · Linien-Tore · engeres Feld

Eigene Synthese · Wein-Hallen-Adaption.

Finalisierungs-Variante. Ein Angreifer mit Ball im Zentrum, vier Verteidiger: je einer vor jedem Mini-Tor. Zwei Verteidiger sind „passiv" (stehen weiter weg), zwei sind „aktiv" (stehen vor dem Tor). Der Angreifer muss erkennen, welche zwei Tore offen sind, und auf eines davon abschließen. Eine 30-Sekunden-Aufgabe, die du im Training in einer Aktivierungs-Phase einbauen kannst. Wein nennt diese Variante in Spielintelligenz im Fußball die Schlüsselübung zur Tor-Entscheidungsschulung.

Funino Finalisierung: welches Tor ist offen?

Angreifer mit Ball im Zentrum. Vier Verteidiger, zwei Tore sind offen, zwei zugestellt. Wahrnehmung schult Entscheidung.

AV1V3V2V4××Welches Tor ist offen?Angreifer entscheidet

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, Variation 11.

Eine ehrliche Anmerkung: Es gibt zwei Funino-Varianten, die im Internet kursieren, die wir in diesem Leitfaden bewusst weglassen. „Funino mit Punktewertung pro Tor-Position" (Tore in den schwer-zu-treffenden Toren zählen doppelt) macht Spielintelligenz zur Mathematikaufgabe und überfordert G/F-Spieler. „Funino mit ständig wechselnden Regeln" (alle zwei Minuten ändert der Trainer eine Regel) ist als Methodik-Demonstration auf Trainerlehrgängen reizvoll, aber im Vereinsalltag ein Coaching-Mehraufwand ohne ersichtlichen Lern-Gewinn. Mehr ist nicht immer besser.

Häufige Trainer-Fehler: Top 5

Fehler 1: Korrigieren statt machen lassen. Wenn du als Trainer alle drei Minuten anhältst, um einen Spieler zu korrigieren, läuft kein Trainingsfluss. Wein selbst hat das so formuliert (2006, fußballtraining 5+6/06): „Ein Trainer, der während dieser Phasen ständig korrigiert, stört diesen Lern- und Entwicklungsprozess nur und setzt die Kinder zudem unnötig unter Leistungsdruck." Kinder lernen Spielformen durch Wiederholung und Eigen-Erfahrung, nicht durch Erklärung. Lass laufen. Frag in der Pause, was sie selbst beobachtet haben.

Fehler 2: Auf Sieg statt auf Lernen coachen. Funino ist Festival-Format ohne Tabelle. Wer im Vereinsalltag trotzdem „heute müssen wir gewinnen" denkt, baut die Mannschaft so auf, dass die zwei stärksten Spieler die meisten Aktionen bekommen, und schadet damit den anderen vier. Wein-Original-Mahnung: „Leider steht auf fast allen Sportplätzen selbst bei den Kleinsten immer noch der Sieg und nicht das Spiel im Vordergrund."

Fehler 3: Zu enges Feld. Wein hat (2011, S. 6969) explizit gewarnt: „Viele Übungsleiter haben die Tendenz, für kleine Kinder kleine bzw. zu enge Spielräume auszuwählen." Mindestmaße sind 20 mal 20 Meter für 3v3. Wenn das Feld zu klein ist, wird es zum Knäuel, und der pädagogische Effekt verschwindet. Ein Funino-Feld muss eher etwas zu groß als zu klein gewählt werden.

Fehler 4: Eltern nicht briefen. Eltern, die nicht informiert sind, stehen am Spielfeldrand und rufen Anweisungen rein. Ihre Kinder hören dann nicht mehr auf die eigene Wahrnehmung, sondern auf Mama oder Papa. Der DFB-Booklet schreibt 15 Meter Abstand vor. Auf dem Elternabend reichen drei Minuten Erklärung. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Fehler 5: Wechsel-Rituale schludern. Wer nach Tor wechselt, muss eine festgelegte Reihenfolge haben. Sonst entsteht beim Wechsel jede Mal eine Diskussion, und die 7 Minuten Spielzeit schrumpfen auf 5. Tipp: ein laminiertes Kärtchen mit der Wechsel-Reihenfolge ans Klemmbrett, jedes Training neu sortieren, im Spiel keine Diskussion. Die DFB-Reform schreibt das Pflicht-Ritual übrigens explizit vor.

Was Eltern über Funino wissen müssen

Die häufigsten fünf Eltern-Einwände in der Reihenfolge ihrer Häufigkeit auf einem typischen Elternabend:

  1. „Warum keine Tabelle? Mein Kind will doch gewinnen!" Die DFB-Reform-Festival-Logik schafft Tabellen bewusst ab, weil das wichtigste Lernziel im Kinderalter nicht Sieg ist, sondern Wahrnehmung und Erfolgserlebnisse für alle. Wein hat dazu 2006 geschrieben: „Leider steht auf fast allen Sportplätzen selbst bei den Kleinsten immer noch der Sieg und nicht das Spiel im Vordergrund." Eltern verstehen das Argument typischerweise nach einer einzigen Erklärung, sobald sie verstanden haben, dass jedes Kind in einem Funino-Spieltag mehrere eigene Tore erzielt, statt nur das eine Sturm-Talent.

  2. „Warum vier Tore? Das ist doch nicht echtes Fußball." Die vier Tore zwingen jedes Kind dazu, ständig die Spielsituation zu lesen: Welches Tor ist gerade weniger gut verteidigt? Diese Wahrnehmungs-Anforderung ist das gesamte didaktische Fundament des Formats. Beim klassischen Zwei-Tore-Spiel reicht es, in eine Richtung zu rennen. Im 4-Tore-Spiel muss man denken.

  3. „Wo ist der Torwart? Mein Kind kann doch nicht Tor spielen." In der G- und F-Jugend gibt es bewusst keinen Torwart. Die DFB-Reform sieht das so vor, weil Sechsjährige zwischen Tor und Feldspieler ohnehin permanent wechseln und die Torwartrolle methodisch erst ab der E-Jugend Sinn macht. Wer im Verein einen Spezialisten-Torwart braucht: ab der E-Jugend trainieren, vorher nicht.

  4. „Mein Kind ist zu schwach für Funino, es geht unter." Das genaue Gegenteil ist der Fall. Wein hat in Spielintelligenz im Fußball (2011, S. 7255–7257) explizit dokumentiert, dass schwächere Spieler im Funino am stärksten profitieren: „Jeder, auch der schwächste Spieler, ist wichtig." Im klassischen 7v7 berührt das schwächste Kind im Spiel zwei bis drei Mal den Ball; im 3v3 sind es ein Vielfaches. Wer nicht mitspielen kann, weil ihm Ballkontakte fehlen, bekommt im Funino genau diese Ballkontakte.

  5. „Warum müssen die nach jedem Tor wechseln?" Die Rotation nach jedem Tor (G-Jugend) bzw. alle drei Minuten per Pfiff (F/E-Jugend) garantiert allen Kindern gleiche Spielzeit. Diese Regel ist Teil der DFB-Reform-Festival-Logik und schließt strukturell aus, dass ein Kind benachteiligt wird, weil es gerade nicht so gut spielt. Eltern, die ihr Kind sonst zu wenig Spielzeit bekommen sahen, sind danach typischerweise die größten Funino-Befürworter.

Mail-Mustertext für den Elternabend

Wer eine Vorlage braucht, hier ist eine, die im Vereinsalltag funktioniert. Anpassen an Verein und Mannschaft, dann per Mail oder im WhatsApp-Elternchat einmal vor Saisonstart verschicken:

Liebe Eltern,

ab dieser Saison spielen unsere G- und F-Jugend nach dem neuen DFB-Format
"3-gegen-3 mit vier Minitoren", im Vereinsalltag bekannt als Funino. Drei
Sachen sind anders als früher:

1. Keine Tabelle, keine Sieger-Bekanntgaben am Spieltag. Alle Mannschaften
   spielen in Turnierform, gewinnen ungefähr gleich oft und bekommen am Ende
   eine Urkunde.

2. Jedes Kind erzielt im Schnitt selbst Tore. Im alten 7-gegen-7 haben
   meistens dieselben zwei oder drei Kinder die meisten Tore geschossen; im
   Funino wechselt das pro Spieltag.

3. Rotation: Nach jedem Tor (G-Jugend) bzw. alle drei Minuten (F-Jugend)
   wechselt jedes Team einen Spieler. Damit bekommt jedes Kind in jedem
   Spiel gleich viel Einsatzzeit.

Was wir uns am Spieltag wünschen: Mindestens 15 Meter Abstand zum
Spielfeld, keine Coaching-Rufe von der Seite, keine Bewertung von
Einzelspielern in Hörweite der Kinder. Wenn ihr Fragen habt, sprecht
mich nach dem Spieltag an, dann nehme ich mir Zeit.

Danke für eure Unterstützung.

Mit sportlichen Grüßen,
[Name]

Eine letzte Anmerkung: Funino-skeptische Eltern werden in der Regel zu Funino-Fans, sobald sie ihrem eigenen Kind das erste Mal beim Spielen zugeschaut haben. Die Wirkung des Formats sieht man, wenn man es nicht kommentiert.

Funino-Festival selbst organisieren

Wer in seinem Verein einen Funino-Festival-Tag organisieren will, braucht drei Dinge: eine Halle oder ein Großfeld mit Platz für mindestens fünf parallele Funino-Felder, vier Mini-Tore pro Feld (zur Not Hütchen), und einen klaren Rotationsplan. Der DFB-Booklet sieht den Festival-Modus explizit vor: „Gespielt wird in Turnierform mit aufsteigenden und absteigenden Spielfeldern. Nach jedem Durchgang geht das Siegerteam ein Feld weiter, das unterlegene Team ein Feld zurück."

Ein typischer Festival-Tag für die F-Jugend hat sechs bis sieben Durchgänge à 7 bis 10 Minuten, drei Minuten Pause zwischen den Durchgängen, und am Ende eine kleine Urkunde für jedes Kind (kein erster Platz, kein letzter Platz). Sechs bis acht Mannschaften passen problemlos auf vier parallele Felder. Trainer fungieren als Spielleiter, nicht als Coaches. Eltern stehen auf 15 Meter Abstand. Verpflegung pro Kind: eine Banane, ein halber Liter Wasser, ein Müsliriegel. Reicht für drei Stunden.

Die komplette Logistik vom Material-Plan über Schiedsrichter-Briefing bis zur Eltern-Mail-Vorlage steht im Leitfaden zum Hallenturnier in einer Woche; die Funino-spezifischen Regeln und der Stunden-Plan dort sind als Bestandteil der Reform-Linie 2024/25 schon eingebaut. Wer ein eigenes Funino-Festival aufsetzen will, ohne sich an Excel-Tabellen zu verzetteln, nutzt am einfachsten ein Tool wie AreaCopa, das den Rotationsplan und die Spieleinteilung automatisch erstellt.

Funino ist auch die natürliche Hauptphase nach einem materialarmen Aufwärmen. Mehr dazu im Leitfaden zum 15-Minuten-Aufwärmen ohne Hilfsmittel, das sich für G- bis E-Jugend gleichermaßen eignet.

Erstes Funino-Festival in 5 Minuten anlegenKostenlos und ohne Registrierung

Übungs-Karten zum Download

Zwei druckbare PDFs zum Mitnehmen auf den Trainingsplatz. Die Checkliste ist die einseitige Schnellreferenz mit Setup-Punkten und allen acht Spielform-Varianten als kompakte Cue-Listen. Gut, wenn du Funino schon kennst und nur eine Erinnerungsstütze brauchst.

Funino-Trainerleitfaden — Übungs-KartenAcht Spielform-Varianten für U6 bis U11, mit Coaching-Cues für den TrainingsplatzPDF herunterladen

Das Workbook ist die zwölfseitige Version mit einem Spielfeld-Diagramm pro Karte. Eine Karte pro Seite, Diagramm in der Mitte, durchnummerierte Coaching-Cues darunter. Heft sie ans Klemmbrett, dann hast du Aufstellung und Lauf-Wege beim Erklären gleich vor Augen.

Funino-Trainerleitfaden — Übungs-WorkbookAcht Spielform-Varianten für U6 bis U11, mit Diagramm und Coaching-Cues pro KarteWorkbook herunterladen

Quellen

Primärquellen Wein (FUNiño-Methodik)

  • Wein, Horst (2011). Spielintelligenz im Fußball — kindgemäß trainieren. 4. überarbeitete und ergänzte Auflage. Aachen: Meyer & Meyer.
  • Wein, Horst (2006). „Mehr Spielintelligenz!" In: fußballtraining 5+6/2006, S. 56–62.

DFB-Regelwerk (Reform 2024/25)

  • Deutscher Fußball-Bund (Stand 09/2024). Wettbewerbsformen im Kinderfußball. Frankfurt am Main: DFB Entwicklung Vereine, Ehrenamt und Spielbetrieb.

Sportwissenschaftliche Belege (Spielintelligenz, Konditionierung, Belastung)

  • Memmert, Daniel (2011). Vermittlung von Spielfähigkeit.
  • Schmoll, Simon (2020). Athletiktraining im Nachwuchsfußball. Masterarbeit, Universität Potsdam. (zitiert Hoff, Wisloff, Engen, Kemi & Helgerud 2002 zur HRmax-Schwelle in small-sided games.)
  • Gualtieri, Antonio (2025). High-Speed Running and Sprinting in Football. PhD Thesis. (zitiert Dalen et al. 2019 und Casamichana, Bradley & Castellano 2018 zur Belastungs-Modulation in SSG.)

Lochmann/Universität Erlangen (Wettkampfsystem 4.0)

  • Akdag, Murat; Poimann, Dino; Czyz, Titus; Lochmann, Matthias (2016a). The Impact of Competition Mode and Coaching on Physical Load in Youth Football. In: 6. Internationale Teaching Games for Understanding Konferenz × 10. dvs-Sportspiel-Symposium 2016, Köln. Hamburg: Feldhaus Czwalina, Bd. 258, S. 179.
  • Akdag, Murat; Poimann, Dino; Czyz, Titus; Lochmann, Matthias (2016b). The Impact of Competition Mode and Coaching on the Amount of Actions in Youth Football. Gleicher Band, S. 178.
  • Lochmann, Matthias (2015). Wettkampfsystem 4.0 — Strukturinnovationen zur nachhaltigen Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs. Jahrestagung der dvs-Kommission Fußball 2015, Erlangen.

Trainerausbildung (DFB-Sportlehrer-Linie)

  • Halemeier, Maik (2018). Spielidee für den Spielaufbau und die Fortsetzung des Spiels. In: BDFL (Hg.), Internationaler Trainer-Kongress 2018 Dokumentation, S. 30–33.
  • Kolodziej, Christian (2018). Integriertes vs. isoliertes Athletiktraining im Leistungsfußball. Gleicher Tagungsband, S. 34–36.

Internationale Verbände (Stand 2025/26)

  • Real Federación Española de Fútbol (2025). Bases de competición 2025/26. Madrid: RFEF.
  • The Football Association (2025). FutureFit — Updates to grassroots youth football in England. London: The FA. Rollout 2026/27.
  • Fédération Française de Football (2025). Foot Animation U7/U9/U11 Reglementsdokumente 2025/26.
  • US Soccer (2017). Player Development Initiatives. Small-sided standards seit August 2017.

Industrie-Daten (kleine Spielformen, Ballkontakte)

  • FRANdata (2024). Small-Sided Soccer: Final Updated Report. Branchenmessung der Ballkontakte 4v4 vs. 11v11.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet Funino vom alten 7-gegen-7 im Kinderfußball?
Funino spielt drei gegen drei auf vier Mini-Tore statt sieben gegen sieben auf zwei klassische Tore. Das Spielfeld ist 20 mal 27 Meter klein, eine Mannschaft braucht nur drei Feldspieler. Kein Torwart, kein Abseits, keine Tabelle. Der DFB schreibt das Format seit der Saison 2024/25 für die G- und F-Jugend verbindlich vor (Wettbewerbsformen im Kinderfußball, Booklet 09/2024, S. 8 ff.).
Ab welchem Alter ist Funino sinnvoll?
Funino funktioniert ab fünf Jahren in der G-Jugend (U6/U7) und ist bis zur F-Jugend (U8/U9) das DFB-Pflichtformat. In der E-Jugend (U10/U11) wird das Format zu 5v5 oder 7v7 weiterentwickelt. Wein hat das Konzept ursprünglich bis zur D-Jugend gedacht, in der DFB-Reform endet die reine Spielform aber bei U11. Ab U12 startet wieder fester Mannschaftsspielbetrieb mit Tabelle.
Wie viele Mini-Tore brauche ich für ein Funino-Training?
Pro Spielfeld vier Mini-Tore, je 2 Meter breit und 1 Meter hoch. Auf einem regelgerechten Großfeld passen acht parallele Funino-Felder, das sind 32 Mini-Tore. Wer keine Mini-Tore hat, markiert sie mit Hütchen oder Stangen. Wein schreibt im Original (2011), dass bei Tor-Verschiebung die ursprüngliche Position als Linie gilt. Für den Heimspielbetrieb lohnen sich echte Mini-Tore, die mehrere Saisons halten.
Ersetzt Funino das Konditionstraining für U10/U11?
Ja, für die aerobe Grundlagenausdauer reicht Funino. Hoff, Wisloff, Engen, Kemi und Helgerud (2002) zeigten, dass small-sided games dieselbe Intensität wie klassisches Intervalltraining bei 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz erreichen. Für reine Sprintschulung ist das Format weniger geeignet, weil die Hochgeschwindigkeitsdistanz pro Minute deutlich unter der eines 11v11-Spiels liegt (Dalen et al., 2019; zit. in Gualtieri, 2025).
Was sage ich Eltern, die Funino skeptisch sehen?
Drei Argumente überzeugen die meisten Eltern: Kinder bekommen im Funino vielfach mehr Ballkontakte als im 7v7, jedes Kind erzielt im Schnitt selbst Tore, und alle Mannschaften gewinnen pro Spieltag ungefähr gleich oft, weil die Tabelle fehlt. Die englische FA stellt 2026/27 sogar komplett auf 3v3 für U7 um. Spanien praktiziert Funino seit 1993. Der DFB folgt einem internationalen Trend, nicht einer deutschen Sonderidee.