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Nahaufnahme einer Funino-3-gegen-3-Szene: Kind im gelben Leibchen führt den Ball, Verteidiger im roten Leibchen schließt auf, dritter Mitspieler sprintet in den freien Raum.
Regeln & Formate

Funino im Kinderfußball: Trainerleitfaden für U6 bis U11

Funino-Trainerleitfaden für U6 bis U11: Was der DFB seit 2024/25 verbindlich regelt, Spielformen, Coaching-Cues, Eltern-Mail und druckbare Übungs-Karten.

Aktualisiert am 26 Min. Lesezeit

Auf einen Blick

  • Seit 2024/25 gelten die DFB-Regeln für G-, F- und E-Jugend verbindlich. Funino, drei gegen drei auf vier Mini-Tore, ist eine der erlaubten Formen.
  • England führt 2026/27 das 3v3 als Einstiegsformat der U7 ein, der Standard Code der FA nennt 15 × 10 Meter und 10 Minuten pro Spiel.
  • Vier Tore zwingen jedes Kind zu entscheiden, welches Tor offen ist. Nach Wein schult das Wahrnehmung und taktisches Denken.
  • Nach Schmoll (2020) erreichen kleine Spielformen 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz. Für die Grundlagenausdauer der U10/U11 genügt das.
  • Eltern fragen oft nach der Tabelle. In G- und F-Jugend gibt es keine; Sieger steigen auf, Verlierer ab, die Mail-Vorlage erklärt es.

Du stehst Dienstag-Abend am Rand des Trainingsplatzes, die G-Jugend trampelt schon ungeduldig herum, und du weißt, dass die DFB-Reform seit 2024/25 die bisherigen Wettbewerbsformen der G-, F- und E-Jugend abgelöst hat. Heute steht drei gegen drei auf vier Mini-Tore an, im Vereinsalltag Funino genannt. Du hast es im Trainerlehrgang einmal kurz gesehen, du hast Eltern, die fragen, warum es keine Tabelle mehr gibt, und du hast einen Verein, der gerne weiterspielen würde wie früher.

Dieser Leitfaden ist die Praxisseite zur Reform-Übersicht im Spielformen-Kinderfußball-Artikel. Er zeigt, was du am Trainingstag konkret machst, welche acht Spielform-Varianten du im Repertoire haben solltest und wie du das Format an G-, F- und E-Jugend anpasst. Dazu: wie du es Eltern erklärst, mit Coaching-Cues, einer druckbaren Übungs-Karten-PDF und einer Eltern-Mail-Vorlage.

Was Funino ist

Funino ist eine Spielform für sechs Kinder: zwei Mannschaften mit je drei Feldspielern, kein Torwart, vier Mini-Tore. Auf jeder Grundlinie stehen zwei Tore. Der DFB erlaubt Mini-Tore bis höchstens 2,0 mal 1,2 Meter, Wein nutzt 2 mal 1 Meter; zwischen den beiden Toren einer Linie bleiben rund 12 Meter. Das Spielfeld ist klein: nach Wein 20 mal 27 Meter, nach DFB etwa 25 mal 20 Meter (im 2 gegen 2 der G-Jugend etwa 16 mal 20 Meter). Auf einem Großfeld finden mehr als acht Felder Platz.

Die Jugendordnung schreibt „3gg3“ und „4 Mini-Tore“. Im Vereinsalltag und in den Trainingsunterlagen des DFB (Trainingsphilosophie Deutschland, Trainingsdialog) heißt die Form Funino. In den Regeltexten selbst kommt das Wort nicht vor, und dfb.de schreibt, „Funino“ sei nur ein kleiner Teil des neuen Kinderfußballs. Wir benutzen beide Begriffe synonym. Verbindlich ist die Jugendordnung (Anhang IV, Teil 1, Stand 21. August 2026); der DFB-Leitfaden (Stand 5. März 2026) erklärt die Umsetzung. Das methodische Fundament hat Wein in Spielintelligenz im Fußball gelegt.

Den Namen FUNiño hat Wein geprägt: aus dem englischen fun und dem spanischen niño (Kind). In Deutschland hat Matthias Lochmann (Universität Erlangen) 2015 mit dem Wettkampfsystem 4.0 ein ähnliches Modell vorgeschlagen (Lochmann 2015, siehe Quellen). Ob sich der DFB bei seiner Reform darauf gestützt hat, belegt keine der hier genutzten Quellen.

Das Funino-Spielfeld nach Wein

27 × 20 Meter nach Wein; der DFB nennt etwa 25 × 20 Meter. Zwei Mini-Tore pro Grundlinie (Wein 2 × 1 m, DFB höchstens 2,0 × 1,2 m), rund 12 m dazwischen, 6-Meter-Schusszone.

Das Funino-Spielfeld nach WeinDas Funino-Spielfeld nach Wein: Funino-Spielfeld 27 mal 20 Meter mit zwei Mini-Toren auf jeder Grundlinie und 6-Meter-Schusszone: 27 × 20 Meter nach Wein; der DFB nennt etwa 25 × 20 Meter. Zwei Mini-Tore pro Grundlinie (Wein 2 × 1 m, DFB höchstens 2,0 × 1,2 m), rund 12 m dazwischen, 6-Meter-Schusszone.27 m20 m6 m12 mSchusszoneMini-Tor 2 × 1 mMittellinie

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, S. 7095–7100; DFB-Jugendordnung, Anhang IV (Stand 21. August 2026); DFB-Leitfaden Kinderfußball (Stand 5. März 2026).

FA FutureFit 3v3-Spielfeld zum Vergleich

Schematisch nach dem FutureFit-Leitfaden für Early Adopters (September 2025), den wir nicht gegen das Original geprüft haben: ein Tor pro Grundlinie, keine Schusszone, ein Tor zählt nur, wenn der Schütze in der Gegnerhälfte steht. Der FA Standard Code 2026/27 empfiehlt für die U7 15 × 10 Meter.

FA FutureFit 3v3-Spielfeld zum VergleichFA FutureFit 3v3-Spielfeld zum Vergleich: FA FutureFit 3v3-Spielfeld 15 mal 20 Meter mit einem Tor pro Grundlinie und Halfway-Line-Schussregel: Schematisch nach dem FutureFit-Leitfaden für Early Adopters (September 2025), den wir nicht gegen das Original geprüft haben: ein Tor pro Grundlinie, keine Schusszone, ein Tor zählt nur, wenn der Schütze in der Gegnerhälfte steht. Der FA Standard Code 2026/27 empfiehlt für die U7 15 × 10 Meter.→←20 m15 mTor zählt nur, wenn der Schütze in der Gegnerhälfte ist120 × 75 cmMittellinie

The FA, FutureFit 3v3, Early Adopter Guidance, September 2025 (nicht gegen das Original geprüft); The FA, Standard Code of Rules 2026/27.

So unterscheiden sich die Verbände

Gleiches Grundprinzip, zwei Regelwerke. Die FA-Angaben stammen aus dem FutureFit-Leitfaden für Early Adopters, den wir nicht gegen das Original prüfen konnten; aus dem FA Standard Code 2026/27 stammen das 3v3 der U7, die Feldgröße und die Spieldauer.

DetailDFB (verbindlich ab 24/25)FA FutureFit (England, ab 26/27)
GeltungRegeln der Jugendordnung; 3 gegen 3 auf vier Mini-Tore ist eine von mehreren Formen3v3 als Einstiegsformat der U7
Spielfeldgrößeca. 25 × 20 m (3gg3), ca. 16 × 20 m (2gg2)15 × 10 m empfohlen
Tore je Grundlinie2 Mini-Tore, höchstens 2,0 × 1,2 m1 Tor (120 × 75 cm)
Schussregel6-m-Schusszone auf Mini-TorenSchütze muss in der Gegnerhälfte sein
Eltern/Zuschauermindestens 3 m Abstand (Jugendordnung); Übersichtsfolien des Leitfadens: 15 m3-m-Respect-Line
Spieltag-RitualeHandschlag vor und nach dem Spiel; Stein-Schere-Papier bei 0:0 im Champions-League-ModusSchere-Stein-Papier zum Start, High-Five, Pitch Facilitators

Drei Konsequenzen für den deutschen Trainer-Alltag. Erstens, am Spieltag gelten die Regeln deines Landesverbands auf Grundlage der Jugendordnung; die FA-Variante mit einem Tor pro Seite kannst du als Trainingsspielform nutzen, aber nicht am offiziellen Spieltag. Zweitens, beim Abstand der Eltern nennt die Jugendordnung 3 Meter, die Übersichtsseiten des Leitfadens 15 Meter, und viele Vereine setzen 15 an. Drittens, Pitch Facilitators und High-Five stammen von der FA; Stein-Schere-Papier kennt auch der DFB-Leitfaden.

Funino jenseits Deutschlands

Mit den verbindlichen Spielformen seit 2024/25 reiht sich Deutschland in eine internationale Linie ein. dfb.de nennt England, die Niederlande, Belgien und die Schweiz als Länder mit Turniertagen auf Kleinfeldern, und Schweden beginnt mit Sechsjährigen im 3 gegen 3. Nach dem FA Standard Code spielt England 3v3 in der U7, 5v5 in U8 und U9, 7v7 in U10 und U11; US Soccer sieht seit 2017 4v4 ohne Torwart bis U8 vor, dann 7v7 und ab U11 9v9. Das 4-Tore-Format ist in diesen Regelwerken eine deutsche Besonderheit; England nutzt ein Tor je Seite. Mehr zur Reform-Übersicht steht im Leitfaden zu den Spielformen im Kinder- und Jugendfußball 2026.

Warum 4 Tore die Spielintelligenz schulen

Wein selbst hat es so formuliert: „Dadurch, dass jede Mannschaft in zwei voneinander getrennt stehenden Toren zum Erfolg kommen kann, wird die Wahrnehmungsfähigkeit, das Verstehen einer Spielsituation, das taktische Denken und Verhalten sowie die Fantasie und Kreativität der Kinder geschult." Memmert hat sechs sportspielübergreifende Basistaktiken beschrieben: Ziel ansteuern, Ball dem Ziel annähern, Zusammenspiel, Lücken ausnutzen, Gegnerbehinderung umgehen, Überzahl herausspielen. Meine Lesart: Im 11v11 ist nur eine Untermenge dieser Taktiken pro Aktion aktiv; im 3v3 auf vier Tore sind ständig alle sechs gleichzeitig im Spiel.

Konkret bedeutet das, dass ein 8-Jähriger in einem Funino-Spiel innerhalb von zwei Minuten vermutlich mehrfach die gleiche Lese-Entscheidung bekommt: Welches der beiden Tore auf der anderen Seite ist gerade weniger gut verteidigt? Soll ich passen oder selber durchziehen? Wo bewegt sich gerade meine Mitspielerin hin? Im klassischen Sieben-gegen-Sieben auf ein zentrales Tor bekommt derselbe Spieler diese Entscheidung deutlich seltener. Das ist eine Größenordnung, keine Messung. Die Wiederholungszahl ist der eigentliche Wirkmechanismus.

Ballkontakte pro Kind und Spiel

Branchen-Schätzwerte aus dem FRANdata-Report 2024 für 4v4-ähnliche Formate gegenüber dem klassischen 11v11. Konkrete Zahlen variieren je nach Studie.

22klassisches 11v11270Funino-nahes 4v4

FRANdata 2024, Small-Sided Soccer Report (Branchenangabe, von uns nicht gegen den Report geprüft).

Aktive Spielzeit pro Kind

Anteil der Spielzeit, in der ein Kind ballnah ist und Entscheidungen treffen muss. Grobe Schätzwerte dieses Artikels, keine Messung.

≈ 25 %7v7≈ 60 %Funino 3v3%

Schätzung dieses Artikels, keine Messung; Ausgangspunkt sind Wein (2011) und Memmert (2011).

Funino als Konditionstraining

Diese Frage kommt im Trainerkollegium spätestens nach dem dritten Funino-Training: „Müssen die nicht auch mal richtig laufen, ohne Ball?" Nach Schmoll (2020, der Hoff und Kollegen 2002 zitiert) erreichen small-sided games die Intensität klassischen aeroben Intervalltrainings: 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz, mit Belastungszeiten von drei bis fünf Minuten. Das entspricht der Belastungsdauer der Rotation im 4 gegen 4 und 5 gegen 5: alle drei Minuten per Pfiff. Im 3 gegen 3 rotiert der DFB nach jedem Tor.

Meine Schlussfolgerung für die Wochenplanung: Ein zusätzliches Ausdauertraining ohne Ball ist für die U10/U11 nicht nötig. Der DFB sagt das nicht, es ist meine Einschätzung. Funino im 4 gegen 4 oder 5 gegen 5 mit der Drei-Minuten-Rotation ist selbst das Konditionstraining. Kolodziej hat es beim Internationalen Trainer-Kongress 2018 auf den Punkt gebracht: „Spielfeldgröße, Anzahl der Spieler und Spieldauer sind die Belastungsnormative, um unterschiedliche Belastungsintensitäten zu erreichen."

Eine wichtige Einschränkung gehört dazu: Für reine Sprintschulung ist das Format weniger geeignet. Nach Gualtieri (2025) liegt die Hochgeschwindigkeitsdistanz im 4v4 auf 39 mal 39 Meter bei nur 2,7 Metern pro Minute, gegenüber 8,4 Metern pro Minute im offiziellen 11v11. Wer in der U10/U11 echte Sprintreize will, kombiniert Funino mit kurzen Sprint-Stafetten am Trainings-Anfang.

Spielfeld & Material in 2 Minuten

Du brauchst pro Funino-Feld:

  • Vier Mini-Tore, jeweils 2 Meter breit und 1 Meter hoch (Wein-Original-Maß). Der DFB lässt Mini-Tore bis höchstens 2,0 mal 1,2 Meter zu. Kleinfeldtore (5 mal 2 Meter) gibt es in F und E, möglichst auf 1,65 Meter Höhe reduziert.
  • Acht Hütchen, um die 6-Meter-Schusszone vor jedem Tor zu markieren. Die Schusszone gilt auf Mini-Toren (G-Jugend im 3 gegen 3, F-Jugend ab 3 gegen 3). In der G-Jugend im 2 gegen 2 entfällt sie, dort zählen Tore ab der Mittellinie, und auf Kleinfeldtoren ebenso.
  • Ein Spielball pro Mannschaft, plus ein Ersatzball am Spielfeldrand. Welche Ballgröße zu welcher Altersstufe passt, zeigt die Übersichtstabelle direkt darunter.
  • Leibchen in zwei klar unterscheidbaren Farben. Bei sechs- bis siebenjährigen Spielern nehme ich kontrastreiche Farbpaarungen (z. B. Pink/Schwarz, Gelb/Blau) statt des klassischen Rot/Blau.

Ballgrößen-Übersicht für den Jugendfußball:

AltersstufeDFB (Jugendordnung)FA (FutureFit 26/27)GewichtBemerkung
G-Jugend U6/U7 (Bambini)Größe 3Größe 3ca. 290 gbeidseits einheitlich
F-Jugend U8/U9Größe 3Größe 3ca. 290 gDFB- und FA-Standard für 3v3/5v5
E-Jugend U10Größe 4Größe 3DFB 350 g, FA 290 gDFB wechselt früher zum größeren Ball; FA hält Size 3 bis U11
E-Jugend U11Größe 4Größe 3DFB 350 g, FA 290 gFA hält Size 3 auch in der U11
D-Jugend U12/U13Größe 4 oder 5Größe 4DFB 350 gDFB empfiehlt Größe 4 oder 5 mit 350 g

Für die Funino-Variante in der Halle ist ein leichter, dämpfungsarmer Ball Größe 3 ideal. Für das 3v3 der U7 in England nennt der FA Standard Code ebenfalls Größe 3. Der größte Unterschied zur DFB-Vorgabe liegt bei U10/U11: Die FA bleibt dort bei Size 3, der DFB nimmt in der E-Jugend Größe 4.

Wer keine Mini-Tore hat, baut sie aus Hütchen oder Stangen. Wein schreibt dazu: „Sollten sich während des Spieles die Standorte der Tore verändern, so gibt der Schiedsrichter auch dann ein Tor, wenn der Ball seiner Meinung nach die Linie an der Stelle übertreten hat, wo das Tor ursprünglich stand." Das nimmt dem Material-Mangel den Stress.

Über die Feldgröße steuerst du die Belastung. Ein Feld von 20 mal 27 Meter (Wein) oder etwa 25 mal 20 Meter (DFB) gibt mittlere Intensität. Ein größeres gibt mehr Laufanteile und passt zur zweiten Saisonhälfte, ein kleineres, etwa 16 mal 20 Meter wie im 2 gegen 2 der G-Jugend, viele Antritte und Ballkontakte pro Minute. Hütchen umstellen ist eine Minute Arbeit.

Beim Heimspielbetrieb: Plane mindestens 4 Wochen Vorlauf vor dem ersten Heimspieltag mit dem neuen Format. Mini-Tore bestellen, Schusszonen-Markierungen klären, die Betreuer an den Feldern briefen und einen Elternabend setzen, in dem du den Modus erklärst. Mehr zur Festival-Tag-Logistik steht im Leitfaden zum Hallenturnier veranstalten.

Funino-Stufen-Modell U6 bis U11

Funino ist ein Stufen-Modell, kein einzelnes Format: Die Jugendordnung (Anhang IV, Teil 1) und der DFB-Leitfaden (Stand 5. März 2026) lassen je Altersstufe mehrere Formen zu. Bei der Rotation widersprechen sie sich (Sternchen): Die Jugendordnung nennt für G und F „nach jedem Tor oder nach max. 2 Minuten“ und 3 Minuten nur für E-Festivals, der Leitfaden 3 Minuten auch für F im 4v4 und 5v5. Frag deinen Verband, was gilt.

AltersstufeFormat(e)SchusszoneSpielzeitRotationTorwart
G-Jugend U6/U7 (2v2)2 Feld + 1 Wechselnein, ab Mittelliniebis 7 × max. 5 minnach jedem Tor*nein
G-Jugend U6/U7 (3v3)3 Feld + 2 Wechsel6 m Schusszonebis 7 × max. 7 minnach jedem Tor*nein
F-Jugend U8/U9 (3v3)3 Feld + 2 Wechsel6 m Schusszonebis 7 × max. 10 minnach jedem Tor*nein
F-Jugend U8/U9 (4v4)4 Feld + 3 Wechsel6 m (Mini-Tore), Mittellinie (Kleinfeld)6 × 10 bis 12 min3 min per Pfiff (Leitfaden)*optional
F-Jugend U8/U9 (5v5)5 Feld + 4 Wechsel6 m (Mini-Tore), Mittellinie (Kleinfeld)6 × 10 bis 12 min3 min per Pfiff (Leitfaden)*optional
E-Jugend U10/U11 (5v5)5 Feld + 4 Wechsel6 m (Mini-Tore), Mittellinie (Kleinfeld)6 × 10 bis 12 minalle 3 min per Pfiffoptional (auf Kleinfeldtoren ja, auf 4 Mini-Tore nein)
E-Jugend U10/U11 (7v7)6 Feld + Torwart + RotationsspielerMittellinie (Leitfaden S. 21: „von überall“)4 × 15 oder 2 × 25 minRotationsspieler je 7 min vom Nebenfeldja

Drei Regelmerkmale gelten durchgängig: Erstens, der DFB-Leitfaden kennt ab der F-Jugend eine Variante zum Ausgleich („Bei 3 Toren Unterschied kann die zurückliegende Mannschaft einen zusätzlichen Spieler ins Spiel bringen, bis der Spielstand wieder ausgeglichen ist"). Zweitens, gespielt wird in Turnierform mit aufsteigenden und absteigenden Feldern: Nach jedem Durchgang geht das Siegerteam ein Feld weiter, das unterlegene Team ein Feld zurück. Drittens, „die Entscheidungen während des Spiels sollen von den Kindern weitestgehend selbst getroffen werden. Die Trainerinnen/Betreuerinnen fungieren als gemeinsame Spielleiter*innen und greifen nur bei Bedarf ins Spielgeschehen ein" (DFB-Leitfaden, S. 8).

Meiner Einschätzung nach ist das letzte Zitat die wichtigste Coaching-Anweisung der Reform; die Fair-Play-Regeln der Jugendordnung sagen dasselbe.

G-Jugend U6/U7: 2v2 und 3v3

Der wichtigste pädagogische Schritt in der G-Jugend ist die Loslösung vom „Traubenfußball". Ein 6-jähriger sieht den Ball, der ganze Schwarm rennt zum Ball, einer schießt, alle laufen hinterher. Genau diesen Reflex zerlegt die 2v2-Variante. Mit nur zwei Spielern pro Mannschaft und vier Mini-Toren entsteht zwangsläufig eine Aufgabenteilung: einer geht zum Ball, einer bleibt frei. Wer beide Spieler zum Ball schickt, verliert sofort das Tor. Die Lernkurve in den ersten drei Trainings ist atemberaubend, weil die Aufgabe so klar ist.

Der DFB-Leitfaden (S. 8) nennt für die 2v2-Variante: bis zu sieben Durchgänge von höchstens fünf Minuten, drei Minuten Pause zwischen den Durchgängen, kein Torwart, Tore erst ab der Mittellinie. Eine Mannschaft besteht aus zwei Feldspielern plus einem Wechsel; nach jedem gefallenen Tor wechseln beide Mannschaften einen Spieler nach festgelegter Reihenfolge. Die Rotation sorgt für gerechte Einsatzzeiten; der Leitfaden nennt als Ziel mindestens 75 Prozent Spielzeit pro Kind und rät ab zwei Rotationsspielern pro Team zu einem zweiten Feld. Der häufige Eltern-Vorwurf („mein Kind bekommt zu wenig Spielzeit") verliert damit seinen Grund.

Ab der zweiten Saisonhälfte oder ab der starken U7 lohnt der Wechsel zur 3v3-Variante. Die ist anspruchsvoller, weil mit drei Spielern echte Dreieckskommunikation möglich wird. Wein begründet das in Spielintelligenz im Fußball so: „Die Dreieckformation erlaubt sowohl im Angriff wie auch in der Abwehr eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit." Die Schusszone (6 Meter vom Tor) wird eingeführt, die Spielzeit erhöht sich auf bis zu sieben Durchgänge von höchstens 7 Minuten.

Funino 3v3: Grundform für die G-Jugend

Drei gegen drei auf vier Mini-Tore. Pass auf den freien Mitspieler, Schuss aufs offene Tor.

A1A2A3V1V2V3Tor zählt nur aus der 6m-SchusszoneAngreiferVerteidiger

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, Kap. III.

Die wichtigsten Coaching-Cues für die G-Jugend:

  • Stelle Fragen, gib keine Anweisungen. Wenn ein Kind allein zum Tor rennt: „Wo ist deine Mitspielerin?" statt „Du sollst passen!". Wein-Original-Grundsatz: „Statt den Spielern Fische zu geben, sollten Sie zeigen, wie man sie fängt."
  • Eltern auf Abstand. Die Jugendordnung verlangt mindestens 3 Meter zum Kleinspielfeld, viele Vereine setzen 15 Meter an. Eltern an der Seitenlinie übersteuern das Verhalten der Kinder.
  • Wechsel-Rituale ernst nehmen. Wer rein-, wer rausgeht ist vorher festgelegt; im Spiel keine Diskussion. Sonst sind bei jedem Wechsel 60 Sekunden weg.

Eine Stolperfalle: Kinder in diesem Alter verlieren in der 3v3-Grundform schnell den Spaß, wenn die Verteidigung zu lange den Ball erobern muss. Beobachte, ob jeder Spieler in jedem 7-Minuten-Block mindestens einmal selbst aufs Tor schießt. Wenn nicht: Feld verkleinern oder eine Vorgabe einführen („vor dem Schuss müssen alle drei den Ball berührt haben"). Mehr dazu im Variations-Kapitel weiter unten.

F-Jugend U8/U9: 3v3, 4v4, 5v5

Die F-Jugend ist der wichtigste Lern-Korridor im gesamten Kinderfußball. Wein hat den Acht- und Neunjährigen einen ganzen Buchteil gewidmet: „Minifußball auf vier Tore und seine vielen Varianten ist für die Acht- und Neunjährigen ein maßgeschneiderter Wettkampf, der alle ihre Wünsche und Erwartungen erfüllt." Der DFB lässt in der F-Jugend drei Spielformen zu (3v3, 4v4, 5v5), im 3v3 mit bis zu sieben Durchgängen von höchstens 10 Minuten, im 4v4 und 5v5 mit 6 mal 10 bis 12 Minuten. Auf dfb.de steht die klare Empfehlung der Verbände, auch in der F-Jugend noch im 3 gegen 3 oder 4 gegen 4 auf vier Mini-Tore zu spielen.

Im Trainingsalltag funktioniert eine klare Saisonprogression:

  • Wochen 1–8 (Spätsommer/Herbst): 3v3 als Hauptformat. Schusszone konsequent durchsetzen, Wechsel nach jedem Tor. Coaching reduziert auf zwei bis drei Fragen pro Durchgang. Ziel: jedes Kind kennt seine Mitspieler und kann unter Druck einen Pass spielen.
  • Wochen 9–18 (Winter/Frühjahr): 4v4 als Hauptformat, 3v3 als Rückfall bei kleinen Trainings. Optional auf Kleinfeldtore mit Torwart. Der vierte Feldspieler bringt eine neue Lernebene: jetzt geht es um Staffelung und Tiefe, nicht mehr nur um die Breite.
  • Wochen 19 bis Saisonende (Frühling): 5v5 als Vorbereitung auf den Übergang zur E-Jugend. Hier funktioniert die Variante mit vier Mini-Toren genauso wie die Variante mit klassischen Kleinfeldtoren plus Torwart.

Für die Hauptphase im 3v3 sind zwei Spielform-Varianten ungewöhnlich nützlich. Erstens die Joker-Variante: ein neutraler Spieler steht auf der Mittellinie und spielt immer mit der Mannschaft, die gerade den Ball hat. Damit hat die ballbesitzende Mannschaft jederzeit eine Vier-gegen-Drei-Überzahl. Das schult Anbieten und Lücken-Ausnutzen, ohne dass eine Mannschaft frustriert wird, weil sie strukturell unterlegen ist.

Funino 3v3 mit Joker

Neutraler Joker auf der Mittellinie spielt immer zur ballbesitzenden Mannschaft. Vier gegen drei unter realem Druck.

A1A2A3V1V2V3JJoker spielt mit der ballbesitzenden Mannschaft

Eigene Synthese · Wein-Variantenraster (2011).

Zweitens die Pflicht-Pass-Variante: Vor jedem Torschuss müssen alle drei Mitspieler den Ball berührt haben. Die Variante erzwingt Teamspiel und löst den klassischen „nur der schnellste Spieler erzielt alle Tore"-Konflikt, der in der F-Jugend regelmäßig auftaucht. Eltern lieben diese Variante, weil ihre weniger durchsetzungsstarken Kinder auch ans Tor kommen.

Funino 3v3 mit Pflicht-Pass

Vor jedem Torschuss müssen alle drei Mitspieler den Ball berührt haben. Erzwingt Teamspiel.

123VVV123Tor zählt nur, wenn alle drei vorher am Ball waren

Eigene Synthese · Wein (2011), Variationen Minifußball.

Eine Stolperfalle in der F-Jugend: Der Übergang von 3v3 auf 4v4 ist methodisch der schwerste Sprung. Mit dem vierten Spieler entsteht erstmals echte Mannschaftstaktik, was viele 8-Jährige überfordert. Meine Erfahrung: Wenn die Mannschaft 4v4 spielt, reduziere das Coaching auf maximal zwei klare Verhaltens-Cues pro Trainingseinheit. „Wenn du den Ball nicht hast, gehe ein paar Schritte zurück" reicht. Mehr Anweisungen sind kontraproduktiv.

E-Jugend U10/U11: 5v5 und 7v7-Diamond

Die E-Jugend ist die Übergangsstufe. Bis hierher war das Format auf reine Spielintelligenz und Ballkontakte ausgerichtet; ab hier kommen erstmals taktische Aufgaben dazu, Staffelung, Tiefe, Aufbauspiel über die eigene Hälfte. Wein hat das in Spielintelligenz im Fußball mit dem 7v7-Diamond für 11- bis 12-Jährige aufgenommen: „Es wird zunächst ohne und dann mit Abseits 7:7 gespielt: ein Torwart, ein freier Abwehrspieler, drei Mittelfeldspieler und zwei Sturmspitzen. Alle fünf Minuten tauschen alle Spieler ihre Rollen und Plätze."

Der DFB-Leitfaden (S. 19 bis 22) nennt für die E-Jugend 4v4, 5v5 und 7v7, die Jugendordnung ergänzt das 6v6. Welche davon gespielt wird, legt dein Landesverband fest; die Spanne reicht von 4 gegen 4 bis 7 gegen 7. Im Trainingsalltag funktioniert eine Zweiteilung gut: Mittwochs 5v5 als Hauptform (mehrere Spielform-Varianten mit Mini-Toren), freitags 7v7-Diamond als Spielvorbereitung. Zur Tabelle: In der E-Jugend lässt die Jugendordnung auch Ligaspielbetrieb im 7 gegen 7 zu; ob Ergebnisse und Tabellen geführt werden, regeln die Landesverbände.

Funino 5v5: F→E-Übergang

Fünf gegen fünf auf vier Mini-Tore. Brücke von der F- zur E-Jugend mit Diamond-Vorform.

A1A2A3A4A5V1V2V3V4V5Vier Mini-Tore, optional Kleinfeldtore mit Torwart

DFB-Leitfaden Kinderfußball (Stand 5. März 2026), S. 14–17.

Im 5v5-Variante mit Mini-Toren ist die zentrale Lernaufgabe das Aufrücken der zweiten Reihe. Mit fünf Spielern entsteht zwangsläufig eine Vorne-/Mitte-/Hinten-Staffelung. Wer das nicht trainiert, hat fünf Spieler in einer Linie um den Ball. Das alte F-Jugend-Muster. Coaching-Cue: „Wenn dein Mitspieler vorne den Ball hat, gehst du einen Schritt nach. Wenn dein Mitspieler hinten den Ball hat, gehst du nach vorne." Diese eine Regel ändert das Spiel mehr als jede taktische Erklärung.

Die 7v7-Diamond-Variante ist der erste systematische Schritt in Richtung klassisches Mannschaftsspiel. Wein hat die Aufstellung 1-1-3-2 (Torwart, freier Verteidiger, drei Mittelfeld, zwei Sturmspitzen) als Brücke gedacht, weil sie genug Spieler hat, um alle Aufgaben zu verteilen, aber wenig genug, dass jedes Kind in jeder Partie an mehreren Aktionen direkt beteiligt ist. Ich lasse die Positionen alle fünf Minuten tauschen, wie Wein es beschreibt; sonst landen die schnellsten Spieler dauerhaft im Sturm und die schüchternsten dauerhaft im Tor.

Funino 7v7: Wein-Diamond für die E-Jugend

Aufstellung 1-1-3-2: Torwart, freier Verteidiger, drei Mittelfeldspieler in der Raute, zwei Sturmspitzen.

TWVMFMF6STSTVVMFMFSTSTTWWein-Diamond: 1-1-3-2 mit freiem Verteidiger und Doppelspitze

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, Kap. zu 7v7-Vorstufen.

Eine pragmatische Frage für die E-Jugend-Trainerin: Wann lohnt es sich, den 7v7-Block durchzuziehen, wenn nur 12 Kinder im Training sind? Meine Faustregel: Bei zwölf Kindern bleibst du beim 5v5 mit Wechseln. 7v7 funktioniert ab 16 Kindern aufwärts. Sonst sitzt zu viel Spielzeit auf der Bank. Für Dribbling-Spezialaufgaben in der E-Jugend ist der Leitfaden zu Dribbling-Übungen U9 bis U11 der natürliche Anschluss.

Funino-Variationen für die Hauptphase

Drei Varianten, die in jedem Funino-Trainer-Repertoire stehen sollten. Sie sind unabhängig vom Alters-Format einsetzbar; die 3v3-Grundgeometrie bleibt, nur eine Regel ändert sich.

Zonen-Variante. Das Feld wird durch eine zusätzliche Linie in zwei Hälften geteilt (parallel zur langen Seite). Jede Mannschaft muss in jeder Zone mindestens einen Spieler haben. Diese Variante zerlegt den Bienenschwarm-Reflex strukturell und schult Positionsbewusstsein. Sie funktioniert ab der starken F-Jugend, in der E-Jugend setze ich sie immer ein.

Funino 3v3 Zonen

Feld in zwei horizontale Zonen geteilt. Jede Mannschaft hat mindestens einen Spieler in jeder Zone.

A1A2A3V1V2V3Zone 1Zone 2

Eigene Synthese · Memmert (2011), Basistaktiken im Sportspiel.

Halle-Adaption. Hallenfeld 15 mal 20 Meter, Mini-Tore durch Linien-Tore ersetzt, Banden zählen als Mitspieler (Pass gegen die Wand und wieder aufnehmen ist erlaubt). Für die Halle verweist die Jugendordnung auf die Futsal-Ordnung; diese Hallenvariante ist ein Vorschlag aus der Praxis. Das Bandenspiel ist methodisch wertvoll, weil es eine zusätzliche Pass-Option zwingt: Ein Kind, das verzweifelt versucht durchzudribbeln, lernt sehr schnell, dass die Bande auch ein Mitspieler ist.

Funino 3v3 Halle

Engeres Feld 15 × 20 m, Mini-Tore durch Linien-Tore ersetzt, Banden als Mitspieler.

A1A2A3V1V2V3Bandenspiel · Linien-Tore · engeres Feld

Eigene Synthese · Wein-Hallen-Adaption.

Finalisierungs-Variante. Ein Angreifer mit Ball im Zentrum, vier Verteidiger: je einer pro Mini-Tor. Zwei davon sind „aktiv" und stehen direkt vor ihrem Tor, die anderen zwei sind „passiv" und stehen deutlich hinter ihrem Tor zurück. Der Angreifer muss erkennen, welche zwei Tore offen sind, und auf eines davon abschließen. Eine 30-Sekunden-Aufgabe, die du im Training in einer Aktivierungs-Phase einbauen kannst. Wein nennt diese Variante in Spielintelligenz im Fußball die Schlüsselübung zur Tor-Entscheidungsschulung.

Funino Finalisierung: welches Tor ist offen?

Angreifer mit Ball im Zentrum. Vier Verteidiger, zwei Tore sind offen, zwei zugestellt. Wahrnehmung schult Entscheidung.

AV1V3V2V4××Welches Tor ist offen?Angreifer entscheidet

Wein (2011), Spielintelligenz im Fußball, Variation 11.

Häufige Trainer-Fehler: Top 5

Fehler 1: Korrigieren statt machen lassen. Wenn du als Trainer alle drei Minuten anhältst, um einen Spieler zu korrigieren, läuft kein Trainingsfluss. Wein schreibt dazu: „Ein Trainer, der während dieser Phasen ständig korrigiert, stört diesen Lern- und Entwicklungsprozess nur und setzt die Kinder zudem unnötig unter Leistungsdruck." Kinder lernen Spielformen durch Wiederholung und Eigen-Erfahrung, nicht durch Erklärung. Lass laufen. Frag in der Pause, was sie selbst beobachtet haben.

Fehler 2: Auf Sieg statt auf Lernen coachen. In G- und F-Jugend gibt es keine Tabelle, Ergebnisse zählen nur für das Auf- und Absteigen am Spieltag. Wer im Vereinsalltag trotzdem „heute müssen wir gewinnen" denkt, baut die Mannschaft so auf, dass die zwei stärksten Spieler die meisten Aktionen bekommen, und schadet damit den anderen vier. Weins Mahnung: „Leider steht auf fast allen Sportplätzen selbst bei den Kleinsten immer noch der Sieg und nicht das Spiel im Vordergrund."

Fehler 3: Zu enges Feld. Wein hat explizit gewarnt: „Viele Übungsleiter haben die Tendenz, für kleine Kinder kleine bzw. zu enge Spielräume auszuwählen." Der DFB nennt für das 3v3 etwa 25 mal 20 Meter; dein Feld sollte nicht kleiner sein. Wenn das Feld zu klein ist, wird es zum Knäuel, und der pädagogische Effekt verschwindet. Ein Funino-Feld muss eher etwas zu groß als zu klein gewählt werden.

Fehler 4: Eltern nicht briefen. Eltern, die nicht informiert sind, stehen am Spielfeldrand und rufen Anweisungen rein. Ihre Kinder hören dann nicht mehr auf die eigene Wahrnehmung, sondern auf Mama oder Papa. Die Jugendordnung verlangt mindestens 3 Meter Abstand zum Kleinspielfeld, die Übersichtsseiten des Leitfadens nennen 15 Meter; ich bitte um 15. Auf dem Elternabend reichen drei Minuten Erklärung. Mehr dazu im nächsten Kapitel.

Fehler 5: Wechsel-Rituale schludern. Wer nach Tor wechselt, muss eine festgelegte Reihenfolge haben. Sonst entsteht beim Wechsel jede Mal eine Diskussion, und die 7 Minuten Spielzeit schrumpfen auf 5. Tipp: ein laminiertes Kärtchen mit der Wechsel-Reihenfolge ans Klemmbrett, jedes Training neu sortieren, im Spiel keine Diskussion. Der Leitfaden schreibt für beide Teams eine Rotationspflicht in fester Reihenfolge vor.

Was Eltern über Funino wissen müssen

Fünf Eltern-Einwände, die auf einem Elternabend regelmäßig auftauchen:

  1. „Warum keine Tabelle? Mein Kind will doch gewinnen!" In der G- und F-Jugend gibt es keinen Ligaspielbetrieb und keine Tabelle. Gewonnen und verloren wird trotzdem: Die Ergebnisse entscheiden, ob ein Team im nächsten Spiel ein Feld auf- oder absteigt, so spielen ähnlich starke Teams gegeneinander und jedes Kind sammelt Erfolgserlebnisse (dfb.de, Kinderfußball-Irrtümer). Eltern verstehen das Argument nach einer einzigen Erklärung, sobald sie begreifen, dass in kleinen Teams auf vier Tore meiner Einschätzung nach mehr Kinder zum Abschluss kommen als nur das eine Sturm-Talent.

  2. „Warum vier Tore? Das ist doch nicht echtes Fußball." Die vier Tore zwingen jedes Kind dazu, ständig die Spielsituation zu lesen: Welches Tor ist gerade weniger gut verteidigt? Diese Wahrnehmungs-Anforderung ist das gesamte didaktische Fundament des Formats. Beim klassischen Zwei-Tore-Spiel reicht es, in eine Richtung zu rennen. Im 4-Tore-Spiel muss man denken.

  3. „Wo ist der Torwart? Mein Kind kann doch nicht Tor spielen." In der G-Jugend und im 3 gegen 3 der F-Jugend spielen die Kinder ohne Torwart. Ab dem 4 gegen 4 der F-Jugend ist ein Torwart möglich; regelmäßig stehen Torhüter laut DFB ab der E-Jugend im Spiel, erst dann ergibt spezifisches Training Sinn. Mein Rat, wenn der Verein einen Spezialisten-Torwart braucht: ab der E-Jugend trainieren, vorher nicht.

  4. „Mein Kind ist zu schwach für Funino, es geht unter." Das genaue Gegenteil ist meine Erwartung. Wein betont in Spielintelligenz im Fußball: „Jeder, auch der schwächste Spieler, ist wichtig." Im 3v3 stehen nur sechs Kinder auf dem Feld, schwächere Kinder kommen deutlich häufiger an den Ball als im 7v7. Wer nicht mitspielen kann, weil ihm Ballkontakte fehlen, bekommt im Funino genau diese Ballkontakte.

  5. „Warum müssen die nach jedem Tor wechseln?" Die Rotation nach jedem Tor (3 gegen 3) bzw. alle drei Minuten per Pfiff (4 gegen 4 und 5 gegen 5 laut Leitfaden) sorgt für gerechte Einsatzzeiten; der Leitfaden nennt als Ziel mindestens 75 Prozent Spielzeit pro Kind. Wer gerade nicht so gut spielt, sitzt damit nicht länger draußen als die anderen. Eltern, die ihr Kind sonst zu wenig Spielzeit bekommen sahen, sind danach oft die größten Funino-Befürworter.

Mail-Mustertext für den Elternabend

Wer eine Vorlage braucht, hier ist eine, die im Vereinsalltag funktioniert. Anpassen an Verein und Mannschaft, dann per Mail oder im WhatsApp-Elternchat einmal vor Saisonstart verschicken:

Liebe Eltern,

ab dieser Saison spielen unsere G- und F-Jugend nach den neuen
Spielformen des DFB, im Dreier-Spiel auf vier Mini-Tore, im
Vereinsalltag Funino genannt. Drei Sachen sind anders als früher:

1. Keine Tabelle, keine Meisterschaft. Gespielt wird in Turnierform:
   Wer gewinnt, steigt ein Feld auf, wer verliert, ein Feld ab.
   Dadurch spielen ungefähr gleich starke Mannschaften gegeneinander.
   Am Ende bekommt jedes Kind eine Urkunde.

2. Mehr Ballaktionen. Mit drei Kindern pro Mannschaft kommt jedes
   Kind öfter an den Ball als im alten 7-gegen-7. Das ist das
   erklärte Ziel der Verbände.

3. Rotation: Nach jedem Tor (3 gegen 3) bzw. alle drei Minuten
   (4 gegen 4 und 5 gegen 5) wechselt jedes Team einen Spieler.
   Damit bekommt jedes Kind faire Einsatzzeiten.

Was wir uns am Spieltag wünschen: 15 Meter Abstand zum Spielfeld
(der DFB verlangt mindestens 3), keine Coaching-Rufe von der Seite,
keine Bewertung von Einzelspielern in Hörweite der Kinder. Wenn ihr
Fragen habt, sprecht mich nach dem Spieltag an, dann nehme ich mir
Zeit.

Danke für eure Unterstützung.

Mit sportlichen Grüßen,
[Name]

Eine letzte Anmerkung: Funino-skeptische Eltern werden in der Regel zu Funino-Fans, sobald sie ihrem eigenen Kind das erste Mal beim Spielen zugeschaut haben. Die Wirkung des Formats sieht man, wenn man es nicht kommentiert.

Funino-Festival selbst organisieren

Wer in seinem Verein einen Funino-Festival-Tag organisieren will, braucht drei Dinge: eine Halle oder ein Großfeld mit Platz für mindestens vier parallele Funino-Felder, vier Mini-Tore pro Feld (zur Not Hütchen), und einen klaren Rotationsplan. Der DFB-Leitfaden beschreibt den Festival-Modus: „Gespielt wird in Turnierform mit aufsteigenden und absteigenden Spielfeldern. [...] Nach jedem Durchgang geht das Siegerteam ein Feld weiter, das unterlegene Team ein Feld zurück."

Ein typischer Festival-Tag für die F-Jugend hat bis zu sieben Durchgänge von höchstens 10 Minuten (zum Beispiel 5 mal 10 oder 7 mal 7 Minuten), drei Minuten Pause zwischen den Durchgängen, und am Ende eine kleine Urkunde für jedes Kind (kein erster Platz, kein letzter Platz). Sechs bis acht Mannschaften passen problemlos auf drei bis vier parallele Felder. Trainer fungieren als Spielleiter, nicht als Coaches. Eltern halten Abstand, mindestens 3 Meter nach der Jugendordnung, 15 Meter sind der Wunsch vieler Vereine. Verpflegung pro Kind: eine Banane, ein halber Liter Wasser, ein Müsliriegel. Reicht für drei Stunden.

Die komplette Logistik vom Material-Plan über Betreuer-Briefing bis zur Eltern-Mail-Vorlage steht im Leitfaden zum Hallenturnier in einer Woche, dort auch der Stunden-Plan für den Festival-Tag. Wer ein eigenes Funino-Festival aufsetzen will, ohne sich an Excel-Tabellen zu verzetteln, nutzt am einfachsten ein Tool wie AreaCopa, das den Rotationsplan und die Spieleinteilung automatisch erstellt.

Funino ist auch die natürliche Hauptphase nach einem materialarmen Aufwärmen. Mehr dazu im Leitfaden zum 15-Minuten-Aufwärmen ohne Hilfsmittel, das sich für G- bis E-Jugend gleichermaßen eignet.

Mein erstes Funino-Festival in 5 Minuten anlegenKostenlos und ohne Registrierung

Übungs-Karten zum Download

Zwei druckbare PDFs zum Mitnehmen auf den Trainingsplatz. Die Checkliste ist die einseitige Schnellreferenz mit Setup-Punkten und allen acht Spielform-Varianten als kompakte Cue-Listen. Gut, wenn du Funino schon kennst und nur eine Erinnerungsstütze brauchst.

Funino-Trainerleitfaden — Übungs-KartenAcht Spielform-Varianten für U6 bis U11, mit Coaching-Cues für den TrainingsplatzPDF herunterladen

Das Workbook ist die zwölfseitige Version mit einem Spielfeld-Diagramm pro Karte. Eine Karte pro Seite, Diagramm in der Mitte, durchnummerierte Coaching-Cues darunter. Heft sie ans Klemmbrett, dann hast du Aufstellung und Lauf-Wege beim Erklären gleich vor Augen.

Funino-Trainerleitfaden — Übungs-WorkbookAcht Spielform-Varianten für U6 bis U11, mit Diagramm und Coaching-Cues pro KarteWorkbook herunterladen

Quellen

Die Regelangaben stammen aus den DFB-Dokumenten. Zitate, Messwerte und Auslandsangaben geben die genannten Werke wieder; die Einschätzungen sind die dieses Artikels.

DFB-Regelwerk (verbindlich seit 2024/25)

Primärquellen Wein (FUNiño-Methodik)

  • Wein, Horst (2011). Spielintelligenz im Fußball: kindgemäß trainieren. 4. überarbeitete und ergänzte Auflage. Aachen: Meyer & Meyer.
  • Wein, Horst (2006). „Mehr Spielintelligenz!" In: fußballtraining 5+6/2006, S. 56–62.

Sportwissenschaftliche Belege (Spielintelligenz, Konditionierung, Belastung)

  • Memmert, Daniel (2011). Vermittlung von Spielfähigkeit.
  • Schmoll, Simon (2020). Athletiktraining im Nachwuchsfußball. Masterarbeit, Universität Potsdam. (zitiert Hoff, Wisloff, Engen, Kemi & Helgerud 2002 zur HRmax-Schwelle in small-sided games.)
  • Gualtieri, Antonio (2025). High-Speed Running and Sprinting in Football. PhD Thesis. (zitiert Dalen et al. 2019 und Casamichana, Bradley & Castellano 2018 zur Belastungs-Modulation in SSG.)

Lochmann/Universität Erlangen (Wettkampfsystem 4.0)

  • Akdag, Murat; Poimann, Dino; Czyz, Titus; Lochmann, Matthias (2016a). The Impact of Competition Mode and Coaching on Physical Load in Youth Football. In: 6. Internationale Teaching Games for Understanding Konferenz × 10. dvs-Sportspiel-Symposium 2016, Köln. Hamburg: Feldhaus Czwalina, Bd. 258, S. 179.
  • Akdag, Murat; Poimann, Dino; Czyz, Titus; Lochmann, Matthias (2016b). The Impact of Competition Mode and Coaching on the Amount of Actions in Youth Football. Gleicher Band, S. 178.
  • Lochmann, Matthias (2015). Wettkampfsystem 4.0: Strukturinnovationen zur nachhaltigen Sicherung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Fußballs. Jahrestagung der dvs-Kommission Fußball 2015, Erlangen.

Trainer-Kongress

  • Kolodziej, Christian (2018). Integriertes vs. isoliertes Athletiktraining im Leistungsfußball. In: BDFL (Hg.), Internationaler Trainer-Kongress 2018 Dokumentation, S. 34–36.

Internationale Verbände (Stand 2025/26)

  • The Football Association (2025/26). FutureFit: What are the changes in youth football? Rollout 2026/27, 3v3 als Einstiegsformat der U7.
  • The Football Association (2026/27). Standard Code of Rules for Mini Soccer and Youth Football Competitions. Quelle für Format, Feldgröße, Ballgröße und Spieldauer. Einen öffentlichen Link haben wir nicht geprüft.
  • The Football Association (September 2025). FutureFit 3v3, Early Adopter Guidance. Quelle für Tor, Halfway-Line-Regel, Respect-Line und Pitch Facilitators. Nicht gegen das Original geprüft.
  • US Soccer (2017). Player Development Initiatives. Small-sided standards seit August 2017.

Industrie-Daten (kleine Spielformen, Ballkontakte)

  • FRANdata (2024). Small-Sided Soccer: Final Updated Report. Branchenmessung der Ballkontakte 4v4 vs. 11v11. Von uns nicht gegen den Report geprüft.

Häufig gestellte Fragen

Was unterscheidet Funino vom alten 7-gegen-7 im Kinderfußball?
Funino spielt drei gegen drei auf vier Mini-Tore statt sieben gegen sieben auf zwei Kleinfeldtore. Pro Mannschaft stehen drei Feldspieler auf einem Feld von etwa 25 mal 20 Metern, ohne Torwart und ohne Abseits. Seit 2024/25 gelten die DFB-Regeln für G-, F- und E-Jugend verbindlich (Jugendordnung, Anhang IV, Teil 1). Funino ist dort eine von mehreren erlaubten Formen, das 7 gegen 7 bleibt in der E-Jugend erlaubt.
Ab welchem Alter ist Funino sinnvoll?
Funino passt von der G-Jugend (U6/U7) bis zur E-Jugend (U10/U11). In der G-Jugend ist das 3 gegen 3 auf vier Mini-Tore eine von zwei erlaubten Formen, in der F-Jugend eine von dreien. In der E-Jugend darf weiter auf vier Mini-Tore gespielt werden, dann als 4 gegen 4 oder 5 gegen 5. Ab der D-Jugend empfiehlt der DFB Meisterschaftsspiele mit 7 gegen 7, 8 gegen 8 oder 9 gegen 9.
Wie viele Mini-Tore brauche ich für ein Funino-Training?
Pro Feld vier Mini-Tore. Der DFB erlaubt höchstens 2,0 mal 1,2 Meter, Wein nutzt 2 mal 1 Meter. Auf ein Großfeld von 105 mal 68 Metern passen rechnerisch zwölf Felder von 25 mal 20 Metern, mit Auslauf plane ich mit acht, das sind 32 Mini-Tore. Wer keine hat, markiert Tore mit Hütchen oder Stangen. Für den Heimspielbetrieb lohnen sich echte Mini-Tore, die mehrere Saisons halten.
Ersetzt Funino das Konditionstraining für U10/U11?
Für die aerobe Grundlagenausdauer reicht es nach Schmoll (2020) in der Regel: Kleine Spielformen erreichen 90 bis 95 Prozent der maximalen Herzfrequenz, bei Belastungen von drei bis fünf Minuten. Für Sprintschulung ist das Format weniger geeignet. Nach Gualtieri (2025) liegt die Hochgeschwindigkeitsdistanz im 4 gegen 4 bei 2,7 Metern pro Minute, im 11 gegen 11 bei 8,4.
Was sage ich Eltern, die Funino skeptisch sehen?
Drei Argumente helfen. Kinder bekommen in kleinen Spielformen mehr Ballaktionen, die Schweiz zählte nach ihrer Reform 71 Prozent mehr bei nicht dominanten Spielern (dfb.de). Ergebnisse zählen weiter: Sieger steigen auf, Verlierer ab, dadurch spielen ähnlich starke Teams gegeneinander. Und England stellt 2026/27 die U7 auf 3 gegen 3 um.